Eine Serie von Zwischenfällen erschüttert die nordamerikanische Frauen-Basketballliga – dahinter steckt eine kalkulierte Marketingkampagne für eine Kryptowährung
Die Women’s National Basketball Association (WNBA) sieht sich mit einer beispiellosen Herausforderung konfrontiert: Seit Ende Juli wurden bei mindestens sechs Ligaspielen grüne Sexspielzeuge aus dem Publikum geworfen. Was zunächst wie vereinzelte Streiche wirkte, entpuppte sich als orchestrierte Marketingkampagne einer Kryptowährungsgruppe. Die Liga reagiert mit harten Konsequenzen, während Spielerinnen und Trainerinnen den sexistischen Charakter der Aktionen anprangern.
Chronologie der Vorfälle
Der erste dokumentierte Vorfall ereignete sich am 29. Juli 2025 im Gateway Center Arena in College Park, Georgia, während des Spiels zwischen den Atlanta Dream und den Golden State Valkyries. Mit weniger als einer Minute verbleibender Spielzeit landete ein neongrünes Sexspielzeug auf dem Court, was zu einer Spielunterbrechung führte.
Nur drei Tage später, am 1. August, wurde das Spiel zwischen den Valkyries und den Chicago Sky im Wintrust Arena durch einen ähnlichen Vorfall unterbrochen. Am 5. August eskalierten die Ereignisse: Gleich drei Spiele wurden gestört – in Los Angeles, Phoenix und New York. Besonders brisant: In Phoenix traf das geworfene Objekt einen Zuschauer, der das Spiel gemeinsam mit seiner neunjährigen Nichte besuchte.
Die bislang letzte dokumentierte Störung erfolgte am 8. August erneut in Chicago, als während der Schlussphase des Spiels zwischen den Atlanta Dream und den Chicago Sky ein lilafarbenes Sexspielzeug auf das Spielfeld geworfen wurde. Laut Augenzeugenberichten landete ein zweites Objekt hinter der Bank der Dream.
Kryptowährungsgruppe bekennt sich
In einem anonymen Interview mit USA Today und ESPN bekannte sich eine Gruppe hinter der Kryptowährung “Green Dildo Coin” (DILDO) zu den Aktionen. Ein Sprecher, der sich online als “Lt. Daldo Raine” bezeichnet – eine Anspielung auf Brad Pitts Charakter aus “Inglourious Basterds” – erklärte, die Störaktionen seien Teil einer viralen Marketingkampagne.
Der Coin sei am 28. Juli als Reaktion auf das als “toxisch” empfundene Krypto-Umfeld gelauncht worden. Der Wert der Kryptowährung stieg laut Berichten seit dem Start um über 300 Prozent, mit einem Handelsvolumen von über 1,3 Millionen Dollar an einzelnen Tagen.
Die Gruppe behauptet, die WNBA sei aufgrund ihrer “Kontroversen” ein logisches Ziel gewesen. “Es war mehr oder weniger ein opportunistischer Ansatz zu dem, was bereits im Trend liegt”, erklärte der anonyme Sprecher gegenüber ESPN.
Rechtliche Konsequenzen und Festnahmen
Bislang wurden zwei Personen festgenommen: Der 23-jährige Delbert Carver aus Marietta, Georgia, wurde vier Tage nach dem ersten Vorfall verhaftet. Ihm werden unordentliches Verhalten, öffentliche Unsittlichkeit und unbefugtes Betreten zur Last gelegt.
Der 18-jährige Kaden Lopez wurde in Phoenix festgenommen, nachdem er ein Sexspielzeug geworfen hatte, das einen erwachsenen Zuschauer und dessen neunjährige Nichte traf. Lopez wurde wegen Verdachts auf unordentliches Verhalten, Körperverletzung und öffentlicher Zurschaustellung expliziten sexuellen Materials ins Gefängnis gebracht. Er bezeichnete seine Tat als “dummen Streich, der auf Social Media im Trend lag.”
Die Kryptowährungsgruppe distanzierte sich zunächst von beiden Festgenommenen, räumte später jedoch ein, dass Lopez Teil ihrer Gruppe sei.
Liga und Offizielle schlagen Alarm
WNBA-Commissioner Cathy Engelbert verurteilte die Vorfälle scharf: “Ich bin fast im 40. Jahr im Geschäft und leider bekommen wir diese Art von Aktionen, und es ist völlig inakzeptabel. Diese Leute tauschen jegliche Berühmtheit, die sie bekommen, gegen eine Verurteilung wegen eines Verbrechens ein.”
Die Liga kündigte harte Konsequenzen an: Fans, die Gegenstände auf das Spielfeld werfen, werden umgehend der Halle verwiesen und mindestens für ein Jahr gesperrt. Darüber hinaus drohe eine strafrechtliche Verfolgung. In einer offiziellen Stellungnahme betonte die WNBA: “Die Sicherheit aller in unseren Arenen hat für unsere Liga oberste Priorität.”
Spielerinnen fordern Respekt
Sophie Cunningham von den Indiana Fever, die bei einem Vorfall in Los Angeles beinahe getroffen wurde, äußerte sich in ihrem Podcast fassungslos: “Wir geben unser Bestes, um die Liga professionell zu repräsentieren, und dann passieren solche kindischen Dinge. Wie sollen wir da ernst genommen werden?”
Elizabeth Williams von den Chicago Sky bezeichnete die Aktionen als “superrespektlos” und forderte die Verantwortlichen auf, erwachsen zu werden. Isabelle Harrison von den New York Liberty appellierte auf Social Media an die Arenaverwaltungen, bessere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Sexismus-Debatte entflammt
Cheryl Reeve, Trainerin der Minnesota Lynx, ordnete die Vorfälle in einen größeren gesellschaftlichen Kontext ein: “Das geht seit Jahrhunderten so – die Sexualisierung von Frauen. Dies ist die neueste Version davon. Und es ist nicht lustig und sollte nicht Gegenstand von Witzen in Radioshows, in Printmedien oder in Kommentaren sein.”
Lynne Roberts, Trainerin der Los Angeles Sparks, bezeichnete die Aktionen als “lächerlich, dumm und gefährlich” und betonte, dass die Sicherheit der Spielerinnen oberste Priorität haben müsse.
Breitere Implikationen für die Liga
Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen, denen sich die WNBA in einer Zeit wachsender Popularität gegenübersieht. Während der vergangenen zwei Saisons verzeichnete die Liga einen Anstieg verbaler und Online-Belästigungen gegenüber Spielerinnen, einschließlich rassistischer, sexistischer und homophober Angriffe.
Die Liga hatte bereits früher in der Saison ein Anti-Hass-Programm gestartet, das darauf abzielt, sowohl toxischen Online-Diskurs als auch unerwünschtes Verhalten in den Arenen zu bekämpfen.
Ausblick und Präventionsmaßnahmen
Die WNBA arbeitet eng mit lokalen und bundesstaatlichen Strafverfolgungsbehörden zusammen, um weitere Vorfälle zu verhindern. Sicherheitsexperten weisen jedoch auf die Schwierigkeit hin, solche Gegenstände bei Einlasskontrollen zu entdecken.
Die Kryptowährungsgruppe kündigte unterdessen an, ihre “Streiche” fortzusetzen, allerdings in “geschmackvollerer” Form und außerhalb der WNBA. Als mögliche neue Ziele nannten sie “stark frequentierte Orte” und andere Sportveranstaltungen.
Für die WNBA bleibt die Herausforderung bestehen, die Aufmerksamkeit wieder auf den Sport selbst zu lenken. In einer Liga, die gerade neue Zuschauerrekorde verzeichnet und mit Stars wie Caitlin Clark eine neue Generation von Fans anzieht, stellen solche Störaktionen eine ernsthafte Bedrohung für das Image und die Sicherheit des Profisports dar.
Die Botschaft der Liga ist unmissverständlich: Für derartige Aktionen gibt es keinen Platz im Basketball – weder heute noch in Zukunft.


