Deutschland bei der WM 2026: Kader, Trainer Julian Nagelsmann und Prognose

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 13 Min. Lesezeit

Deutschland WM 2026 – zwischen Aufbruchstimmung und ungelösten Baustellen. Julian Nagelsmann hat seit der Heim-EM 2024 einen tiefgreifenden Umbruch eingeleitet, den DFB-Kader für die WM 2026 verjüngt und mit Florian Wirtz sowie Jamal Musiala die wohl aufregendste Offensive der Nationalmannschaft seit einer Dekade geformt. In der WM-Qualifikation setzte sich die DFB-Elf trotz einer überraschenden Auftaktniederlage in der Slowakei souverän als Gruppensieger durch – 4 Siege, 1 Niederlage, 14:3 Tore. In der Deutschland WM 2026 Gruppe E der Endrunde warten Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Bei den Buchmachern rangiert die Nationalmannschaft WM 2026 mit einer Quote von 13,00 (Tipico, Stand 01.04.2026) auf Rang 7 der WM 2026 Favoriten – hinter Spanien, England, Frankreich, Brasilien, Argentinien und Portugal. Wie stehen die Deutschland WM 2026 Chancen tatsächlich? Unsere Prognose liefert die komplette Analyse.

Vom Stolperstart zum souveränen Gruppensieg

Der Weg zur WM 2026 begann für Deutschland denkbar holprig. Am 4. September 2025 setzte es im Auftaktspiel der Qualifikationsgruppe A eine überraschende 0:2-Niederlage in der Slowakei – die erste Pflichtspiel-Pleite unter Nagelsmann seit seinem Amtsantritt. Die Kritik war laut, Erinnerungen an die WM-Blamagen 2018 und 2022 wurden wach.

Doch Nagelsmann reagierte schnell. Bereits drei Tage später folgte ein souveränes 3:1 gegen Nordirland, das den Grundstein für eine makellose Restserie legte. Es folgten ein 4:0 gegen Luxemburg, ein diszipliniertes 1:0 in Belfast und schließlich ein furioses 6:0 gegen die Slowakei am letzten Spieltag, das den Gruppensieg perfekt machte. Die Bilanz: 4 Siege, 1 Niederlage, 14:3 Tore, 12 Punkte – Platz 1 mit 5 Punkten Vorsprung.

Die Reaktion auf den Fehlstart offenbarte eine Qualität, die diesem Team bei früheren Turnieren fehlte: mentale Widerstandsfähigkeit. Nagelsmann sprach nach dem 6:0 von einer “Mannschaft, die aus Rückschlägen lernt statt daran zu zerbrechen”. Eine wichtige Botschaft im Hinblick auf ein langes Turnier mit bis zu sieben Spielen.

Julian Nagelsmann – taktischer Architekt mit klarer Vision

Julian Nagelsmann übernahm das Amt des Bundestrainers im September 2023 und ist mit 38 Jahren der jüngste Nationaltrainer bei einer WM seit Matthias Sindelar 1934. Seine Karrierestationen – Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern – haben ihn als taktischen Innovator etabliert, der Systeme an das vorhandene Spielermaterial anpasst statt umgekehrt.

Für die WM 2026 hat Nagelsmann sein System auf ein 4-2-3-1 festgelegt, das situativ zum 4-3-3 werden kann. Die Grundidee: Kimmich als Rechtsverteidiger gibt dem Team eine zusätzliche Aufbauoption, während die Doppelsechs – voraussichtlich Pavlović/Goretzka oder Pavlović/Stiller – für Absicherung sorgt. Der eigentliche Trumpf sitzt eine Reihe davor: Wirtz und Musiala besetzen die Halbräume und erzeugen mit ihren Dribblings und Kombinationen eine Dynamik, die kaum zu verteidigen ist.

Nagelsmanns Bilanz als Bundestrainer ist beeindruckend: In 28 Pflichtspielen holte er 19 Siege, 4 Unentschieden und 5 Niederlagen – eine Siegquote von 68 Prozent. Die Offensive unter seiner Regie erzielt im Schnitt 2,4 Tore pro Spiel. Kritiker bemängeln allerdings die fehlende Konstanz gegen absolute Topteams: In der Nations League 2024/25 schied Deutschland in der Finalrunde als Gruppenletzter aus.

Taktisch fällt auf, dass Nagelsmann großen Wert auf hohes Pressing legt – laut FBref-Daten presst Deutschland im Schnitt 6,2 Mal pro Spiel erfolgreich in der gegnerischen Hälfte, ein Spitzenwert im europäischen Vergleich. Die Umschaltmomente nach Ballgewinn sind das Herzstück seines Spiels.

Deutschland WM 2026 Kader und die Schlüsselspieler

Die offizielle DFB Kader WM 2026 Nominierung erfolgt am 12. Mai 2026. Basierend auf dem letzten DFB-Aufgebot vom März 2026 und Nagelsmann WM 2026 Aussagen ergibt sich ein klares Bild der voraussichtlichen 26 Spieler. Der Kaderwert liegt bei rund 784 Millionen Euro (Transfermarkt, Stand April 2026).

Position Spieler Verein Alter Ldsp. Tore
TW Oliver Baumann TSG Hoffenheim 36 12 0
TW Alexander Nübel VfB Stuttgart 29 4 0
TW Jonas Urbig FC Bayern München 22 2 0
IV Jonathan Tah FC Bayern München 30 36 2
IV Nico Schlotterbeck Borussia Dortmund 26 28 2
IV Antonio Rüdiger Real Madrid 33 82 3
IV Waldemar Anton Borussia Dortmund 29 11 1
RV Joshua Kimmich (K) FC Bayern München 31 98 6
LV David Raum RB Leipzig 28 26 1
LV Nathaniel Brown Eintracht Frankfurt 22 3 0
ZM Aleksandar Pavlović FC Bayern München 22 9 0
ZM Leon Goretzka FC Bayern München 31 62 16
ZM Pascal Groß Brighton & Hove Albion 35 17 0
ZM Angelo Stiller VfB Stuttgart 25 5 0
ZM Felix Nmecha Borussia Dortmund 25 8 1
OM Jamal Musiala FC Bayern München 23 42 8
OM Florian Wirtz FC Liverpool 23 32 8
RA Leroy Sané FC Bayern München 30 68 14
RA Serge Gnabry FC Bayern München 30 48 22
LA Jamie Leweling VfB Stuttgart 23 7 1
LA Kevin Schade Brentford FC 24 4 1
LA Lennart Karl Eintracht Frankfurt 19 2 0
ST Kai Havertz FC Arsenal 27 56 21
ST Nick Woltemade Newcastle United 23 10 5
ST Deniz Undav VfB Stuttgart 29 7 4

Florian Wirtz – Deutschlands Hoffnungsträger in der Premier League

Der Wechsel von Bayer Leverkusen zum FC Liverpool im Sommer 2025 war der nächste logische Schritt in der Karriere des 23-Jährigen. Nach einem schwierigen Einstand in der Premier League hat sich Wirtz unter Arne Slot als Schlüsselspieler etabliert – 11 Tore und 9 Assists in 31 Pflichtspielen sprechen für sich. Seine Fähigkeit, enge Räume zu bespielen und Abwehrketten mit einem einzigen Pass aufzulösen, macht ihn zum gefährlichsten deutschen Offensivspieler. In der Nationalmannschaft hat Wirtz in seinen letzten 10 Einsätzen 5 Tore erzielt und 4 vorbereitet.

Jamal Musiala – Genie mit Gesundheitsfragezeichen

Musiala ist der Spieler, den jeder Gegner fürchtet – und gleichzeitig Deutschlands größtes Sorgenkind. Nach einer Operation am linken Fuß im Februar 2026 fehlte der Bayern-Star im März-Kader und wurde geschont. Seine Statistiken (13 Tore, 11 Assists in der Bundesliga 2025/26) unterstreichen seine Klasse, doch seine Fitness bis zum Turnierstart am 14. Juni bleibt die entscheidende Frage. Nagelsmann sagte dazu: “Wir wollen alle einen topfitten Jamal zurückbekommen.”

Kai Havertz – der unterschätzte Multifunktionsspieler

Bei Arsenal hat Havertz endgültig den Durchbruch als Neuner geschafft: 15 Premier-League-Tore in der laufenden Saison, dazu 6 Champions-League-Treffer. Im Nationalteam kann er sowohl als Mittelstürmer als auch als hängende Spitze agieren – eine taktische Flexibilität, die Nagelsmann besonders schätzt. Havertz bringt mit 55 Länderspielen und 21 Toren zudem eine Turniererfahrung mit, die vielen seiner Teamkollegen fehlt.

Joshua Kimmich – Kapitän auf ungewohnter Position

Die Entscheidung, Kimmich dauerhaft als Rechtsverteidiger aufzubieten, war Nagelsmanns mutigster Schachzug. Der Kapitän opfert seine Präsenz im Zentrum, gewinnt aber als aufbauender Außenverteidiger eine neue Dimension: Seine Passgenauigkeit von 92,3 Prozent und im Schnitt 3,1 Flanken pro Spiel aus dem Qualifikationszyklus machen ihn zum Taktgeber aus der Tiefe. Mit 98 Länderspielen steuert er in den USA auf die 100er-Marke zu.

Nico Schlotterbeck – Abwehrchef mit Spielaufbau-Qualitäten

Der Dortmunder hat sich unter Nagelsmann zum unangefochtenen Stamm-Innenverteidiger entwickelt. Schlotterbeck kombiniert aggressive Zweikampfführung mit einem für Innenverteidiger ungewöhnlichen Aufbauspiel – seine progressive Passquote liegt in der Bundesliga 2025/26 unter den Top 5 aller Verteidiger. In der Qualifikation stand er in allen fünf Spielen in der Startelf und bildete mit Jonathan Tah ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo, das sich blind versteht. Sein riskantes Herausrücken aus der Kette ist gleichzeitig Stärke und Schwachstelle – bei der WM wird es darauf ankommen, die richtige Balance zu finden.

Nick Woltemade – Deutschlands Stoßstürmer für den Plan B

Nagelsmann hat früh klargemacht, dass er einen körperlich robusten Mittelstürmer im WM-Kader haben will. Nick Woltemade erfüllt dieses Profil wie kein anderer im deutschen Fußball. Der 1,96 Meter große Angreifer, der 2025 von Werder Bremen zu Newcastle United wechselte, bringt eine Kopfballstärke mit, die in der Schlussphase enger Spiele Gold wert sein kann. Mit 5 Toren in 10 Länderspielen hat er eine beeindruckende Quote – und sein Spitzname “Goaltemade” kommt nicht von ungefähr. Gegen physisch starke Teams wie die Elfenbeinküste könnte Woltemade als Joker zum entscheidenden Faktor werden.

Deutschland WM 2026 Aufstellung – die voraussichtliche Startelf gegen Curaçao

Laut Nagelsmanns eigener Aussage sind 9 von 11 Startplätzen bereits vergeben. Die voraussichtliche DFB WM 2026 Aufstellung im 4-2-3-1 gegen Curaçao am 14. Juni: Baumann – Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum – Pavlović, Goretzka – Sané, Musiala, Wirtz – Havertz. Die zwei offenen Positionen betreffen die Doppelsechs (Stiller statt Goretzka?) und den linken Flügel (Leweling oder Gnabry statt Sané?). Sollte Musiala nicht rechtzeitig fit werden, rückt vermutlich Gnabry oder Undav auf – eine qualitative Schwächung, die den gesamten Taktikplan verschieben würde.

Wo die DFB-Elf glänzt – und wo sie verwundbar ist

Die Qualifikationsdaten liefern ein aufschlussreiches Bild. Deutschlands offensive Durchschlagskraft ist eindrucksvoll: 14 Tore in 5 Spielen (2,8 pro Partie) bei einem Expected Goals-Wert von 12,4 xG – die tatsächliche Ausbeute lag also über dem Erwartungswert, was auf hohe Effizienz im Abschluss hindeutet. Sieben verschiedene Torschützen trafen in der Qualifikation, was die Unberechenbarkeit der Offensive unterstreicht.

Defensiv steht die Mannschaft solide: Nur 3 Gegentore in 5 Spielen, davon 2 im Auftaktspiel gegen die Slowakei. In den vier Folgespielen kassierte Deutschland lediglich 1 Gegentor (3:1 gegen Nordirland). Der xGA-Wert von 4,1 deutet allerdings darauf hin, dass die Abwehr in einzelnen Phasen anfällig war und teils mit dem Glück des Tüchtigen davonkam. Die Passgenauigkeit lag im Schnitt bei 89,6 Prozent – typisch für eine ballbesitzorientierte Spielweise, die allerdings bei Ballverlusten im Aufbau Konterchancen eröffnet.

Die größte Stärke ist zweifellos die individuelle Qualität im offensiven Mittelfeld. Wirtz, Musiala und Havertz bilden ein Dreieck, das in Sachen Kreativität und Tiefgang nur von Spanien (Yamal, Pedri, Nico Williams) und vielleicht England (Bellingham, Saka, Foden) auf vergleichbarem Niveau existiert. Dazu kommt die Kaderbreite: Mit Sané, Gnabry, Woltemade, Undav, Leweling und dem erst 19-jährigen Lennart Karl stehen weitere hochkarätige Offensivoptionen zur Verfügung. Sechs davon spielen in der Premier League oder bei absoluten europäischen Topklubs – die Erfahrung auf höchstem Vereinsniveau ist ein Vorteil gegenüber vielen WM-Teilnehmern.

Die Schwächen beginnen im Tor: Oliver Baumann ist ein zuverlässiger Bundesliga-Keeper, aber kein Manuel Neuer. In entscheidenden K.o.-Spielen, wenn ein gehaltener Elfmeter oder eine Weltklasse-Parade den Unterschied macht, fehlt diese letzte Absicherung. Marc-André ter Stegen, der eigentliche Nachfolger, wird die WM wohl verpassen – Nagelsmann bezifferte seine Chancen als “sehr, sehr, sehr gering”.

Die Linksverteidigerposition bleibt eine Baustelle. David Raum hatte in der Nations League 2024/25 mit nach vorn gerichtetem Spiel überzeugt, defensiv aber Schwächen offenbart. Die Alternative Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt hat sich im März-Lehrgang empfohlen, bringt mit nur 3 Länderspielen jedoch kaum Turniererfahrung mit.

Ein weiteres Risiko: Die Abhängigkeit von der Fitness einzelner Schlüsselspieler. Musiala laborierte an einer Fußverletzung, Havertz fehlte monatelang, Kimmichs Belastungssteuerung nach einer intensiven Vereinssaison wird zur Gratwanderung. In einem Turnier mit möglicherweise 7 Spielen in 39 Tagen könnte die Kadertiefe auf den Prüfstand kommen – gerade auf der Doppelsechs, wo ein Ausfall von Pavlović nur schwer zu kompensieren wäre.

Auch die Anfälligkeit bei Standardsituationen verdient Beachtung: 2 der 3 Quali-Gegentore fielen nach ruhenden Bällen. In einem Turnier, bei dem Randnationen häufig auf physisches Spiel und Standards setzen, könnte sich das rächen.

Alle Qualifikationsergebnisse auf dem Weg zur WM

Deutschland spielte in der UEFA-Qualifikationsgruppe A (Vierergruppe, 5 Spiele) und sicherte sich den Platz bei der WM 2026 als souveräner Gruppensieger. Die Ergebnisse der Deutschland WM 2026 Qualifikation im Überblick:

Datum Partie Ergebnis Ort
04.09.2025 Slowakei – Deutschland 2:0 Bratislava
07.09.2025 Deutschland – Nordirland 3:1 Dortmund
10.10.2025 Deutschland – Luxemburg 4:0 Leipzig
13.10.2025 Nordirland – Deutschland 0:1 Belfast
17.11.2025 Deutschland – Slowakei 6:0 München

Auffällig: Nach der Niederlage zum Auftakt ließ die DFB-Elf kein einziges Punktverlust mehr zu – 4 Siege mit einer Tordifferenz von 14:1 in den verbleibenden Spielen. Das 6:0 gegen die Slowakei war der höchste Pflichtspielsieg unter Nagelsmann und ein klares Statement vor der WM 2026.

In der WM-Vorbereitung 2026 testete Deutschland im März gegen die Schweiz (4:3 in Basel) und Ghana (2:1 in Stuttgart). Beide Spiele lieferten wichtige Erkenntnisse: Gegen die Schweiz zeigte die Offensive ihre ganze Wucht, die Defensive offenbarte aber auch Anfälligkeit bei schnellen Gegenstößen. Gegen Ghana dominierte die DFB-Elf über weite Strecken, tat sich aber mit der Chancenverwertung schwer – Undav erlöste sein Team erst spät. Vor der WM stehen im Mai noch zwei weitere Testspiele an, bevor Nagelsmann am 12. Mai seinen endgültigen WM-Kader bekannt gibt und das Team ins Trainingslager nach Herzogenaurach einzieht.

Vier Sterne und die Jagd nach dem fünften

Deutschland gehört zu den erfolgreichsten WM-Nationen der Geschichte: 4 Titel (1954, 1974, 1990, 2014), 20 Teilnahmen, 8 Finalteilnahmen. Nur Brasilien (5 Titel) hat häufiger triumphiert. Kein anderes europäisches Land kann auf eine vergleichbare WM-Bilanz blicken – 78 WM-Siege bei 112 Spielen, dazu 230 erzielte Tore.

WM Gastgeber Ergebnis
2022 Katar Vorrunde (Gruppenphase)
2018 Russland Vorrunde (Gruppenphase)
2014 Brasilien Weltmeister
2010 Südafrika 3. Platz
2006 Deutschland 3. Platz

Die jüngste WM-Geschichte ist allerdings eine deutliche Mahnung: Zwei Vorrunden-Aus in Folge (2018 und 2022) markierten den absoluten Tiefpunkt der deutschen Fußballgeschichte. Bei der WM 2018 in Russland schied der Titelverteidiger als Gruppenletzter hinter Südkorea und Schweden aus – ein Ergebnis, das den gesamten DFB erschütterte. 2022 in Katar reichte es trotz eines 4:2 gegen Costa Rica und eines 1:1 gegen Spanien nicht zum Weiterkommen, weil die Niederlage gegen Japan (1:2) zu schwer wog.

Der letzte deutsche WM-Sieg in einer K.o.-Runde datiert vom 8. Juli 2014 – dem legendären 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale von Belo Horizonte, das als eines der denkwürdigsten WM-Spiele aller Zeiten gilt. Fünf Tage später hob Mario Götze den Pokal im Maracanã in die Höhe.

Genau diese Negativserie will Nagelsmann brechen. Seit 2014 hat Deutschland kein WM-Spiel in einer K.o.-Runde mehr bestritten – eine beispiellose Durststrecke für eine Nation mit vier Sternen auf dem Trikot. Die EM 2024 im eigenen Land (Viertelfinale, Aus gegen Spanien nach Verlängerung durch ein Tor in der 119. Minute) hat gezeigt, dass die Mannschaft bei einem Turnier wieder mithalten kann – und dass sie nah dran ist an den absoluten Topteams. Die Frage ist: Reicht es bei einer WM mit dem neuen 48-Teams-Format für den ganz großen Wurf?

Gruppe E und der Spielplan für Deutschland

Die Auslosung am 5. Dezember 2025 bescherte Deutschland die Gruppe E mit Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador. Auf dem Papier eine machbare Aufgabe – aber mit Tücken.

Datum MESZ Partie Stadion TV
14. Juni 19:00 Deutschland – Curaçao NRG Stadium, Houston ARD
20. Juni 22:00 Deutschland – Elfenbeinküste BMO Field, Toronto ZDF
25. Juni 22:00 Ecuador – Deutschland MetLife Stadium, East Rutherford ARD

Curaçao (FIFA-Rang 168) ist der kleinste WM-Teilnehmer der Geschichte mit nur 156.000 Einwohnern – ein Pflichtprogramm, das Deutschland im Auftaktspiel klar gewinnen muss. Viele Spieler des Inselstaats haben niederländische Fußball-DNA und spielen in der Eredivisie oder den niederländischen unteren Ligen. Eine Unterschätzung wäre dennoch fahrlässig: Curaçao hat sich in der CONCACAF-Qualifikation gegen deutlich höher eingeschätzte Teams durchgesetzt.

Die Elfenbeinküste dagegen ist als amtierender Afrikameister ein ernstzunehmender Prüfstein. Die Ivorer blieben in der gesamten Afrika-Qualifikation ohne Gegentor und verfügen mit Spielern wie Sébastien Haller (Borussia Dortmund), Simon Adingra (Brighton) und Ibrahim Sangaré (Nottingham Forest) über europäische Topliga-Erfahrung. Trainer Emerse Faé hat nach dem AFCON-Triumph 2024 eine defensiv extrem stabile Mannschaft geformt. Dieses Spiel am 20. Juni in Toronto dürfte der härteste Gruppentest für Deutschland werden.

Ecuador qualifizierte sich als defensivstärkstes südamerikanisches Team in der CONMEBOL-Qualifikation und belegt Rang 23 der Weltrangliste. Unter Trainer Sebastián Beccacece agiert die Tri mit einer kompakten Fünferkette und schnellen Kontern. Moisés Caicedo (Chelsea) und Piero Hincapié (Bayer Leverkusen) kennen europäisches Spitzenniveau. Das letzte Gruppenspiel im MetLife Stadium – dem Finalstadion – könnte bei ungünstigem Verlauf zum Alles-oder-Nichts-Spiel werden.

Die Anstoßzeiten sind für deutsche Fans ausgesprochen angenehm: 19:00 Uhr und zweimal 22:00 Uhr MESZ – kein Nachtprogramm nötig. Das DFB-Quartier befindet sich auf dem Gelände der Wake Forest University in Winston-Salem, North Carolina. Alle drei Gruppenspiele finden an der Ostküste statt, was die Reisebelastung minimiert. Die maximale Flugdistanz zwischen den Spielorten (Houston → Toronto → East Rutherford) beträgt rund 3.200 km – deutlich weniger als bei vielen anderen Gruppen, wo Teams quer durch den Kontinent reisen müssen. Alle Infos zum vollständigen Spielplan gibt es im WM 2026 Spielplan.

Deutschland WM 2026 Quoten und unsere Prognose

Die Buchmacher sehen Deutschland im erweiterten Favoritenkreis, aber nicht in der absoluten Spitzengruppe. Das birgt aus Wettsicht durchaus Value – denn der DFB-Kader gehört mit 784 Mio. Euro Marktwert zu den Top 6 aller WM-Teilnehmer und steht damit deutlich über Teams wie Portugal (810 Mio.) oder Argentinien (540 Mio.), die in den Quoten höher gehandelt werden. Wer die WM 2026 Chancen Deutschland realistisch einschätzen will, muss über die reinen Quoten hinausschauen.

Wette Tipico bet365 Interwetten
WM-Sieger 13,00 15,00 13,00
Gruppensieger Gr. E 1,25 1,22 1,20

Quoten Stand: 01.04.2026. Quotenänderungen vorbehalten.

Unsere Einschätzung: Der Gruppensieg sollte klar machbar sein – die Quote von rund 1,22 auf Platz 1 in Gruppe E reflektiert das korrekt. Hier gibt es wenig Value. Deutlich interessanter wird es bei den Langzeitwetten: Die Weltmeister-Quote von 13,00 bietet soliden Wert, wenn man an einen guten Turnierverlauf glaubt. Zum Vergleich: Bei der EM 2024 startete Deutschland mit einer ähnlichen Quote und erreichte das Viertelfinale – eine Platzierung unter den letzten Acht hätte Gewinne gebracht.

Der Turnierbaum verdient besondere Aufmerksamkeit. Als Gruppensieger der Gruppe E trifft Deutschland im Sechzehntelfinale auf einen Gruppendritten – voraussichtlich eine der schwächeren qualifizierten Mannschaften. Im Achtelfinale würde dann der Sieger aus einer Partie zwischen dem Zweiten der Gruppe D (möglicherweise USA oder Türkei) und einem weiteren Gruppendritten warten. Erst im Viertelfinale könnte ein absoluter Topgegner kommen. Als Gruppenzweiter dagegen droht ein deutlich härterer Weg: Ein mögliches Sechzehntelfinale gegen den Zweiten der Gruppe I – und das könnte Frankreich oder Norwegen sein.

Für Sportwetter bieten sich mehrere Ansatzpunkte: Die “Deutschland ins Halbfinale”-Wette dürfte bei den meisten Anbietern Quoten um 3,50-4,00 bieten und reflektiert das realistische Ziel des Teams. Auch die Über-Wette bei den deutschen Gruppenspielen (Über 2,5 Tore gegen Curaçao) ist basierend auf der Offensivstärke und den Qualifikationsdaten (2,8 Tore im Schnitt) eine Überlegung wert.

Realistisches Ziel: Halbfinale. Alles darüber hinaus wäre eine Sensation – aber eine, die mit diesem Kader nicht ausgeschlossen ist. Unsere Deutschland WM 2026 Prognose: Wenn Musiala und Wirtz gemeinsam fit und in Form auflaufen, kann diese DFB-Elf jeden Gegner schlagen. Deutschland ist historisch eine Turniermannschaft, die im Verlauf eines Wettbewerbs stärker wird – genau das macht das Team trotz der nicht ganz überragenden Quote so gefährlich. Die komplette Quotenanalyse findet sich in unserem WM 2026 Quoten-Artikel.

Wer nicht nur die deutsche Mannschaft verfolgen will, sondern auch WM 2026 Wett-Tipps für alle Spiele sucht, wird bei uns ebenfalls fündig. Und wer wissen will, gegen wen Deutschland in der K.o.-Phase antreten könnte, sollte sich die komplette WM 2026 Gruppenübersicht anschauen.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.