Die TSG Hoffenheim hat vor der Abreise ins österreichische Trainingslager nach Seefeld einen deutlichen Schnitt vollzogen: Dennis Geiger, Florian Grillitsch und Mergim Berisha wurden aus dem Kader gestrichen und für Transfergespräche mit anderen Vereinen freigestellt. Die drei Profis trainieren stattdessen individuell am Trainingszentrum in Zuzenhausen.
Trainer Christian Ilzer, der im November 2024 als Nachfolger von Pellegrino Matarazzo verpflichtet wurde, setzt damit ein klares Zeichen für seine Kaderplanungen zur Saison 2025/26. Während sich das restliche Team auf das einwöchige Trainingslager in den Tiroler Bergen vorbereitet, müssen die drei Akteure nach neuen Vereinen suchen.
Dennis Geiger: Überraschende Degradierung des Eigengewächses
Die Entscheidung bei Dennis Geiger kommt besonders überraschend. Der 27-jährige Mittelfeldspieler, der seit seiner Jugend bei der TSG ausgebildet wurde, absolvierte in der vergangenen Saison noch 20 Bundesliga-Partien und galt als fester Bestandteil des Kaders.
Geigers Karriere bei der TSG:
- Eigengewächs aus der regionalen Nachwuchsabteilung
- Vertrag bis 2027
- 20 Ligaeinsätze in der Saison 2024/25
- Ehemaliger deutscher U21-Nationalspieler
Problematisch könnte sich ein Interview ausgewirkt haben, in dem sich Geiger kritisch zur Hoffenheimer Transferpolitik äußerte. Der Mittelfeldspieler, dessen Laufbahn durch mehrere schwere Verletzungen geprägt war, darunter langwierige Muskel- und Sehnenprobleme im Oberschenkelbereich, hatte sich unter dem neuen Trainer Ilzer Hoffnungen auf eine wichtige Rolle gemacht.
Seinerzeit hatte sich Eintracht Frankfurt heftig um den Mittelfeldspieler mit damals auslaufendem Vertrag bemüht, bevor Geiger seinen Kontrakt in Hoffenheim bis 2027 verlängerte. Nun steht das Eigengewächs vor einem ungewissen Abschied aus dem Kraichgau.
Florian Grillitsch: Rückkehr ohne Perspektive
Für Florian Grillitsch ist die Entscheidung weniger überraschend. Der 29-jährige österreichische Nationalspieler (53 Länderspiele) kehrte erst vor wenigen Tagen von seiner Leihe bei Real Valladolid zurück, wo er die zweite Saisonhälfte verbracht hatte.
Grillitsch’ aktuelle Situation:
- Vertrag bis 2026
- Keine Rückennummer für die neue Saison erhalten
- Leihe nach Spanien brachte keine Lösung
- Zuletzt mit Sporting Braga und Klubs aus dem arabischen Raum in Verbindung gebracht
Der Aussortierte setzte zunächst auf den Faktor Zeit und die Hoffnung auf Ilzers Scheitern und ließ sich spät nach Spanien zum Abstiegskandidaten Valladolid verleihen. Die Strategie ging nicht auf – auch unter dem neuen Trainer hat der defensive Mittelfeldspieler keine Zukunft bei der TSG.
Grillitsch, der in der Vergangenheit auch für die österreichische Nationalmannschaft eine wichtige Rolle spielte, muss sich nun nach mehreren gescheiterten Leihgeschäften endgültig einen neuen Verein suchen.
Mergim Berisha: Millionen-Transfer als Fehlgriff
Am längsten aussortiert ist Mergim Berisha. Der 26-jährige Stürmer, für den Hoffenheim im Sommer 2023 eine Rekordablöse von 14 Millionen Euro an den FC Augsburg zahlte, entwickelte sich zum teuersten Fehlgriff der jüngeren Vereinsgeschichte.
Berishas problematische Zeit in Hoffenheim:
- Kurz nach seinem Wechsel Kreuzbandriss im rechten Knie (November 2023)
- Öffentlicher Konflikt mit Ex-Trainer Pellegrino Matarazzo, zwischenzeitliche Suspendierung
- Nur 24 Pflichtspiele für Hoffenheim (1 Tor, 1 Vorlage)
- Vertrag bis 2027
Bereits im Januar 2025 kehrte Berisha per Leihe zum FC Augsburg zurück, wo er seine erfolgreichste Bundesliga-Zeit erlebt hatte. Der FCA besitzt eine Kaufoption, die deutlich unter der ursprünglichen Hoffenheimer Ablösesumme liegt.
Der zweimalige deutsche Nationalspieler hatte in Augsburg in 26 Pflichtspielen 13 Scorerpunkte gesammelt und sich zum DFB-Spieler entwickelt. In Hoffenheim kam er nie über die Reservistenrolle hinaus und verlor durch die schwere Knieverletzung und persönliche Differenzen mit dem Trainerteam jegliches Vertrauen.
Trainer Ilzer setzt auf klare Verhältnisse
Christian Ilzer, der im November 2024 für 2,5 Millionen Euro Ablöse von Sturm Graz verpflichtet wurde, vollzieht damit konsequent den von Sportgeschäftsführer Andreas Schicker eingeleiteten Kaderumbau. Der 47-jährige Österreicher führte Sturm Graz 2024 zum historischen Double aus Meisterschaft und Pokalsieg.
Ilzers bisherige Bilanz in Hoffenheim:
- Amtsantritt im November 2024 als Matarazzo-Nachfolger
- Vertrag bis 2027
- Erfolgreicher Klassenerhalt in der Rückrunde
- Fünf Siege in fünf Testspielen der Vorbereitung
Allen drei Spielern wurden identische Optionen angeboten: Training mit der U23 in der 3. Liga, individuelles Training unter Fußballlehrer-Betreuung oder komplette Freistellung für Vereinsgespräche.
Kaderbereinigung mit wirtschaftlicher Notwendigkeit
Die Entscheidungen sind sowohl sportlich als auch wirtschaftlich motiviert. Geiger (Vertrag bis 2027), Grillitsch (bis 2026) und Berisha (bis 2027) binden zusammen einen erheblichen Teil des Etats, ohne sportliche Perspektive zu haben.
Ilzer reiste mit 32 Spielern ins Trainingslager nach Seefeld, darunter drei Akteure aus der U23. Die Freistellung des Trios schafft Platz für weitere Neuverpflichtungen und reduziert die Personalkosten.
Die TSG, die in der vergangenen Saison nur knapp den Klassenerhalt schaffte, will sich unter der neuen Führung um Schicker und Ilzer stabilisieren und mittelfristig wieder um die internationalen Plätze kämpfen. Dazu gehört auch die Bereinigung des aufgeblähten Kaders von nicht mehr benötigten Akteuren.
Fazit: Mit der konsequenten Ausmusterung des Trios setzt Trainer Ilzer ein deutliches Zeichen für seine Vorstellungen der Kadergestaltung. Während Grillitsch und Berisha schon länger ohne Perspektive waren, überrascht besonders die Degradierung des Eigengewächses Geiger. Alle drei Spieler müssen sich nun schnellstmöglich neue Vereine suchen, um ihre Karrieren fortzusetzen.


