Das ATP Masters 1000 in Toronto schreibt 2025 ein neues Kapitel seiner traditionsreichen Geschichte. Als sechstes Masters-1000-Turnier der Saison präsentiert sich das National Bank Open Presented by Rogers vom 27. Juli bis 7. August in einem revolutionären Format: Erstmals in der Turniergeschichte treten 96 Spieler über zwölf Turniertage gegeneinander an – eine Erweiterung, die Toronto in eine neue Ära des professionellen Tennis führt.
Die Veranstaltung im Sobeys Stadium markiert einen Wendepunkt für die kanadische Tennismetropole. Das erweiterte Format folgt dem Trend anderer großer Masters-Events wie Indian Wells, Miami und Shanghai, die bereits auf das 12-Tage-Format umgestellt haben. Mit dieser Anpassung positioniert sich Toronto als eines der bedeutendsten Hardcourt-Turniere der ATP-Tour.
Zverev als Topfavorit nach turbulenten Wochen
Alexander Zverev kehrt als Nummer 1 der Setzliste nach Toronto zurück. Der Deutsche, der 2017 in Montreal seinen ersten Masters-1000-Titel auf Hartplatz gewann, sucht nach seinem überraschenden Erstrunden-Aus in Wimbledon gegen Arthur Rinderknech den Weg zurück zu alter Stärke. Nach eigenen Angaben kämpfte der 28-Jährige zuletzt mit mentalen Problemen, nutzte aber die Pause für ein intensives Trainingslager in der Akademie von Rafael Nadal auf Mallorca.
“Ich bin begeistert, zurück in Toronto zu sein”, erklärte Zverev bei seiner Ankunft. Der Hamburger, der bislang sieben Masters-1000-Titel gewann, könnte bereits in der dritten Runde auf das brasilianische Ausnahmetalent Joao Fonseca treffen – ein potenzielles Duell der Generationen, das die Tennisexperten mit Spannung erwarten.
Fritz führt amerikanische Armada an
Taylor Fritz geht als zweiter Favorit ins Rennen. Der US-Amerikaner befindet sich in bestechender Form: Nach seinem Triumph beim Rasenklassiker in Stuttgart, wo er Zverev im Finale mit 6:3, 7:6(0) bezwang, erreichte er das Halbfinale in Wimbledon. Mit einer beeindruckenden Bilanz von fünf Siegen in Folge gegen Zverev hat sich Fritz als dessen Angstgegner etabliert.
Die amerikanische Fraktion präsentiert sich in Toronto besonders stark: Ben Shelton (Setzposition 4), Frances Tiafoe (7) und der aufstrebende Learner Tien versprechen spektakuläres Tennis. Besonders das mögliche Viertelfinal-Duell zwischen Shelton und Tiafoe elektrisiert die Fans – ihre bisherigen drei Begegnungen auf US-amerikanischem Boden boten stets hochklassige Unterhaltung.
Starterfeld ohne die großen Drei
Das Teilnehmerfeld wird durch die Absagen mehrerer Topstars überschattet. Weltranglistenerster Jannik Sinner und Titelverteidiger Carlos Alcaraz sagten ihre Teilnahme ebenso ab wie Novak Djokovic, der viermalige Turniersieger. Auch Jack Draper, Tommy Paul und Grigor Dimitrov fehlen beim kanadischen Klassiker.
Diese Ausfälle öffnen das Feld für andere Titelaspiranten: Lorenzo Musetti (Italien), Holger Rune (Dänemark) und Andrey Rublev (Russland) wittern ihre Chance. Der Vorjahressieger Alexei Popyrin aus Australien verteidigt seinen überraschenden Triumph von Montreal 2024, wo er Rublev im Finale mit 6:2, 6:4 bezwang.
Deutsche Hoffnungen und kanadische Lokalmatadoren
Neben Zverev gehen die deutschen Tennis-Fans mit gedämpften Erwartungen ins Turnier. Der Hamburger trägt als einziger deutscher Vertreter die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern.
Die kanadischen Gastgeber setzen große Hoffnungen in ihre heimischen Stars: Felix Auger-Aliassime (Setzposition 24), Denis Shapovalov (25) und Gabriel Diallo (32) bilden erstmals in der Turniergeschichte ein Trio gesetzter kanadischer Spieler. Shapovalov, frisch gestärkt durch seinen Turniersieg in Los Cabos, gilt als heißer Tipp für eine Überraschung.
Sky Sport überträgt exklusiv in Deutschland
Tennisfans in Deutschland können das komplette Turnier bei Sky Sport verfolgen. Der Pay-TV-Sender überträgt alle Matches exklusiv auf Sky Sport Tennis, wobei die tägliche Berichterstattung bereits ab dem ersten Hauptrunden-Tag am 27. Juli beginnt.
Die Sendezeiten passen sich dem Turnierverlauf an:
- Erste Turnierwoche: täglich ab 17:00 Uhr MESZ
- Viertelfinals (4./5. August): ab 18:30 Uhr
- Halbfinale (6. August): ab 20:30 Uhr
- Finale (7. August): ab 19:30 Uhr
Parallel bietet Tennis TV einen vollständigen Online-Stream aller 126 Matches. Sky-Kunden haben zudem Zugriff auf alle Courts über Sky Q und die WOW-Streaming-Plattform.
Rekordpreisgeld und Weltranglistenpunkte
Mit einer Gesamtdotierung von 9.193.540 US-Dollar zählt Toronto zu den lukrativsten Turnieren der ATP-Tour. Der Turniersieger erhält nicht nur 1.124.360 Dollar, sondern sammelt auch die vollen 1.000 Punkte für die ATP-Weltrangliste – ein wichtiger Baustein für die Qualifikation zu den Nitto ATP Finals in Turin.
Die Preisstruktur verdeutlicht die Bedeutung des Turniers:
- Finalist: 597.890 $ / 650 Punkte
- Halbfinale: 332.160 $ / 400 Punkte
- Viertelfinale: 189.075 $ / 200 Punkte
- Achtelfinale: 103.225 $ / 100 Punkte
Selbst Erstrunden-Verlierer erhalten 23.760 Dollar – ein Zeichen für die finanzielle Stärke des erweiterten Turnierformats.
Wettquoten spiegeln offenes Rennen wider
Die Buchmacher sehen ein außergewöhnlich ausgeglichenes Teilnehmerfeld. Taylor Fritz führt mit einer Quote von 6,00 die Favoritenliste an, dicht gefolgt von Alexander Zverev (7,00). Diese enge Quotenverteilung unterstreicht die Unvorhersehbarkeit des Turniers.
Ben Shelton (10,00), Holger Rune (15,00) und Daniil Medvedev (15,00) folgen mit respektablen Quoten. Als Geheimtipps gelten Jakub Mensik (18,00) und Alex de Minaur (20,00), der 2023 das Finale in Toronto erreichte.
Historisches Erbe und moderne Innovation
Das kanadische Masters blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Seit 1881 wird in Kanada professionelles Tennis gespielt – Isidore F. Hellmuth gewann damals die ersten kanadischen Meisterschaften. Der moderne Rekordhalter Ivan Lendl triumphierte zwischen 1980 und 1989 sechsmal und setzte damit eine bis heute unerreichte Bestmarke.
Das Turnier wechselt traditionell jährlich zwischen Toronto (ungerade Jahre) und Montreal (gerade Jahre). Diese Rotation hat sich seit 1990 als fester Bestandteil des ATP-Kalenders etabliert.
Ausblick: US Open Series in vollem Gange
Toronto markiert den Beginn der intensiven Hartplatz-Saison in Nordamerika. Als Teil der US Open Series dient das Masters als wichtige Vorbereitung für das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York. Die Bedingungen auf dem Hartplatz im Sobeys Stadium ähneln stark denen in Flushing Meadows – ein Vorteil für alle Titelanwärter bei den US Open.
Mit dem erweiterten Format, dem hochkarätigen Teilnehmerfeld trotz prominenter Absagen und der exzellenten Organisation verspricht das ATP Masters 1000 Toronto 2025 ein Tennis-Spektakel der Extraklasse. Die Frage bleibt: Kann Alexander Zverev seine mentale Krise überwinden und seinen achten Masters-Titel holen? Oder setzt Taylor Fritz seine Siegesserie gegen den Deutschen fort? Die Antworten liefert der Centre Court ab dem 27. Juli.


