Lennart Karl: FC Bayerns neues Juwel glänzt vor Supercup

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 4 Min. Lesezeit

Lennart Karl wirbelt derzeit durch die Saisonvorbereitung des FC Bayern München wie ein Wirbelwind. Der erst 17-jährige Offensivspieler nutzte das letzte Testspiel gegen Grasshopper Zürich eindrucksvoll, um seine Ansprüche anzumelden: Mit einem traumhaften Fernschusstor in der 21. Minute und der mustergültigen Vorlage zum 2:0 durch Jonah Kusi-Asare avancierte er beim 2:1-Sieg zum Matchwinner.

“Ich möchte als junger Spieler Verantwortung übernehmen, meine Stärken zeigen und mich auch in Pflichtspielen beweisen – egal ob im Supercup gegen Stuttgart oder in der Bundesliga”, erklärte Karl selbstbewusst nach der Partie bei Bayern TV.

Beeindruckende Statistiken

Die Zahlen des gebürtigen Frammersbacher sprechen eine deutliche Sprache: In der vergangenen Saison 2024/25 erzielte er in 26 Spielen für die Nachwuchsteams des FC Bayern sagenhafte 42 Scorerpunkte – 32 Tore und 10 Vorlagen. Eine Quote, die selbst bei den Verantwortlichen für Aufsehen sorgte.

In der aktuellen Vorbereitung setzte Karl seine Treffsicherheit nahtlos fort: Zwei Tore und zwei Vorlagen in drei Testspielen unterstreichen seine außergewöhnliche Form. Beim 4:0-Erfolg im Telekom Cup gegen Tottenham Hotspur feierte er sein erstes Tor im Bayern-Trikot bei den Profis.

Langfristige Bindung perfekt

Der FC Bayern hat Nägel mit Köpfen gemacht: Gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Teamkollegen Wisdom Mike verlängerte Karl Anfang August seinen Vertrag vorzeitig bis 2028. Ein klares Zeichen des Vereins, dass man fest mit dem Talent plant.

“Wir wollen Lennart Karl und Wisdom Mike kontinuierlich an die Profis heranführen”, betonte Sportvorstand Max Eberl bei der Vertragsverkündung. “Sie sollen mit unserer Unterstützung jeden Tag alles geben, denn wir wünschen uns neben Jamal Musiala, Aleks Pavlović und Josip Stanišić weitere Eigengewächse in unserer ersten Mannschaft.”

Der Weg zum Profi

Karls Werdegang liest sich wie eine klassische Fußballer-Karriere: Erste Schritte bei Viktoria Aschaffenburg und Eintracht Frankfurt, bevor er 2022 an den Bayern-Campus wechselte. Dort überzeugte er derart, dass er bereits mit 16 Jahren regelmäßig für die U19 auflief – unter anderem in der prestigeträchtigen UEFA Youth League.

Sein Profidebüt feierte Karl im Juni 2025 bei der Klub-WM in den USA gegen Auckland City. In der Rückrunde der vergangenen Saison stand er bereits dreimal im Bundesliga-Kader und bei beiden Champions-League-Viertelfinals gegen Inter Mailand auf dem Spielberichtsbogen.

Technische Finesse trifft auf Ehrgeiz

Sportdirektor Christoph Freund schwärmt von Karls Qualitäten: “Lennart ist mutig, torgefährlich, technisch versiert mit enger Ballführung in 1:1-Situationen und offensiv sehr variabel einsetzbar.” Mit seinen 1,68 Metern Körpergröße kompensiert Karl fehlende Zentimeter durch Schnelligkeit, Technik und Spielintelligenz.

Der Youngster selbst sieht seine Größe nicht als Nachteil: “Ich habe früh gelernt, sie zu meinem Vorteil zu nutzen. Klar heißt das auch, dass ich im athletischen Bereich mehr arbeiten muss – vor allem im Krafttraining, um mich im Zweikampf besser behaupten zu können.”

Prominente Unterstützung

Als Berater steht Karl niemand Geringeres als Michael Ballack zur Seite. Der ehemalige Nationalspieler und Bayern-Star gibt seinem Schützling wertvolle Tipps: “Michael war ein Weltklassespieler und absoluter Vollprofi, von dem ich viel lernen kann. Er sagt mir zum Beispiel, dass ich meiner Spielweise treu bleiben und authentisch sein soll.”

Kompany setzt auf die Jugend

Trainer Vincent Kompany hat in der Vorbereitung bereits deutliche Signale gesetzt. Beim Test in Zürich ließ er gleich fünf Spieler von Beginn an ran, die 18 Jahre oder jünger sind. “Es ist beeindruckend, wie diese Jungs mit der Intensität umgehen”, lobte Sportdirektor Christoph Freund.

Unter den Augen von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der eigens nach Zürich gereist war, zeigte Karl eine Leistung, die Lust auf mehr macht. Sein Treffer – ein gefühlvoller Schuss mit links ins obere Eck – war bereits sein zweites Traumtor binnen weniger Tage.

Der Supercup als erste Bewährungsprobe

Am Samstag wartet mit dem Franz-Beckenbauer-Supercup gegen den VfB Stuttgart der erste echte Härtetest. Ob Karl von Beginn an spielt oder als Joker kommt, bleibt abzuwarten. Seine Chancen auf Einsatzminuten stehen jedoch gut – zumal er in der Hierarchie als Backup für Neuzugang Michael Olise eingeplant ist.

“Ich fühle mich extrem wohl im Team, die Aufnahme war perfekt. Natürlich ist das Niveau enorm hoch, aber ich kann mithalten”, gibt sich Karl selbstbewusst. An Ehrgeiz mangelt es dem Teenager nicht: “Die Testspiele haben gezeigt, dass ich mithalten kann, aber jetzt will ich den nächsten Schritt gehen.”

Parallelen zu Musiala?

Die Vergleiche mit Jamal Musiala, der einst einen ähnlichen Weg beim FC Bayern ging, drängen sich auf. Wie sein vier Jahre älterer Teamkollege verfügt auch Karl über außergewöhnliche technische Fähigkeiten und eine bemerkenswerte Reife für sein Alter.

Doch Karl bleibt trotz des Hypes um seine Person bodenständig. Er bereitet sich parallel auf seinen Realschulabschluss 2026 vor und weiß, dass Geduld ein wichtiger Begleiter auf dem Weg nach oben ist.

Fazit: Ein Juwel mit Perspektive

Lennart Karl verkörpert alles, was sich der FC Bayern von seinen Talenten wünscht: technische Klasse, Torgefahr, Ehrgeiz und die richtige Einstellung. Die Vertragsverlängerung bis 2028 zeigt, dass beide Seiten eine gemeinsame Zukunft sehen.

Ob Karl tatsächlich das Zeug zum Weltklassespieler hat, wird die Zeit zeigen. Die ersten Schritte sind jedenfalls vielversprechend – und beim FC Bayern hat man definitiv Lust auf mehr Lennart Karl.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.