Borussia Dortmund hat sein einwöchiges Trainingslager in Österreich mit unerwarteten Hindernissen begonnen. Die für Montag geplante öffentliche Trainingseinheit in der SaalfeldenArena musste aufgrund der starken Regenfälle abgesagt werden. Der Platz sei “aufgrund der starken Regenfälle unbespielbar”, teilte der BVB mit. Damit startete das vom 4. bis 9. August angesetzte Trainingslager mit Komplikationen – eine zusätzliche Herausforderung für Trainer Niko Kovac, der ohnehin unter enormem Zeitdruck steht.
Zeitdruck vor dem Pflichtspielstart
Die Ausgangslage könnte kaum schwieriger sein: In zwei Wochen (18. August) steht das Duell in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Rot-Weiss Essen an, nur fünf Tage später beginnt bereits die neue Bundesliga-Saison. Die Vorbereitung ist in diesem Jahr besonders komprimiert, da die Dortmunder nach der Teilnahme an der FIFA Klub-WM in den USA erst später in den Urlaub gehen konnten. Zwischen Leistungsdiagnostik und Pflichtspiel liegen damit nur drei Wochen – ein sportlicher Kraftakt für den neuen Coach.
Der 53-jährige Kovac, der am 2. Februar 2025 die Nachfolge von Nuri Sahin antrat, hat für die Tage in den österreichischen Alpen klare Schwerpunkte ausgegeben: Frische aufbauen, taktische Abläufe festigen und die physische Form optimieren. Nach den Testspielsiegen gegen die Sportfreunde Siegen (8:1) und OSC Lille (3:2) betonte der kroatische Trainer: “Wir mussten viel in kurzer Zeit unterbringen, aber wir werden die Belastung nun etwas steuern.”
Herausforderndes Pokallos wartet
Das erste Pflichtspiel hat es in sich: Am Montag, 18. August, um 20:45 Uhr trifft Rot-Weiss Essen in der ersten Runde des DFB-Pokals an der Hafenstraße auf Borussia Dortmund. Ein Flutlichtspiel vor ausverkauftem Haus – alle 19.300 Karten für das Stadion an der Hafenstraße sind bereits vergriffen. Der Drittligist, der in der abgelaufenen Saison Platz acht belegte, hat große Vorfreude auf das Duell. RWE-Sportdirektor Christian Flüthmann bezeichnete die Partie als “fantastische Begegnung zweier traditionsreicher Ruhrgebietsvereine”.
Historisch gesehen spricht vieles für den BVB: In den bisherigen Pokalduellen 2008/09 und 1982/83 siegte Schwarzgelb jeweils mit 3:1. Dennoch warnen die Verantwortlichen vor Unterschätzung – gerade in der ersten Pokalrunde lauern traditionell Überraschungen.
Kadersituation: Talente im Fokus
Trotz der kurzen Vorbereitungszeit reiste Kovac mit einem ungewöhnlich großen Kader von 30 Spielern nach Saalfelden. Darunter befinden sich neben den etablierten Profis auch mehrere Talente aus der eigenen Jugend. Der Kader umfasst unter anderem die Torhüter Gregor Kobel, Alexander Meyer und Patrick Drewes, die Abwehrspieler Waldemar Anton, Nico Schlotterbeck, Niklas Süle, Yan Couto und Julian Ryerson sowie die Offensivkräfte Serhou Guirassy, Karim Adeyemi und Maximilian Beier.
Besonderes Augenmerk liegt auf Filippo Mané. Der 20-jährige Italiener mit senegalesischen Wurzeln, der im Januar 2025 einen Profivertrag bis 2028 unterschrieb, durfte in den bisherigen Testspielen jeweils von Beginn an ran. “Filippo ist jung, man sieht sein Potenzial”, lobte Kovac den italienischen U20-Nationalspieler, der seit Januar 2022 im BVB-Nachwuchs ausgebildet wird.
BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl erklärt: “Filippo hat bei uns in den vergangenen drei Jahren eine richtig gute Entwicklung genommen und sich diesen Profivertrag verdient”. Der 1,88 Meter große Innenverteidiger gilt als technisch versiert und wird bereits mit BVB-Legende Mats Hummels verglichen. Dennoch mahnt Kovac zur Geduld: “Er soll auch regelmäßig in der zweiten Mannschaft spielen. Es geht darum, ihn behutsam aufzubauen.”
Kampf um die Stammplätze
Die knappe Vorbereitungszeit erhöht auch den Konkurrenzkampf im Team. Besonders umkämpft sind die Positionen in der Offensive: Wer darf Mittelstürmer Serhou Guirassy unterstützen – Karim Adeyemi oder Neuzugang Maximilian Beier? Und wie gestaltet sich das Duell auf der rechten Außenbahn zwischen dem etablierten Julian Ryerson und Sommer-Neuzugang Yan Couto?
Auch im Mittelfeld herrscht große Konkurrenz. Neben den Routiniers Pascal Groß und Marcel Sabitzer kämpfen Felix Nmecha, Salih Özcan und der junge Jobe Bellingham um Einsatzzeiten. Die Neuzugänge haben allesamt die Ambition, zum Stammpersonal zu gehören.
Regeneration trotz Zeitdruck
Trotz des engen Zeitplans achtet Kovac auf die richtige Balance zwischen Belastung und Regeneration. Der Donnerstag war als freier Tag eingeplant – praktischerweise liegt direkt neben dem Teamhotel ein Golfplatz. Die angeschlagenen Spieler Emre Can, Nico Schlotterbeck und Julien Duranville sind zwar mitgereist, setzen aber ihre individuelle Reha unter medizinischer Aufsicht fort.
Blick nach vorn: Die Kovac-Ära
Seit seiner Verpflichtung mit einem Vertrag bis Juni 2026 hat Kovac bereits deutliche Akzente gesetzt. Unter dem kroatischen Coach setzt Borussia Dortmund seine Erfolgsserie fort und hat die Qualifikation für die Champions League wieder in eigener Hand. Seine Trainingsmethoden – mehr Laufarbeit, weniger freie Torschüsse – mögen nicht bei allen Spielern auf Begeisterung stoßen, zeigen aber Wirkung.
Die kommenden Tage in Saalfelden werden entscheidend sein, um die Mannschaft auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten. Nach der Rückkehr aus Österreich wartet am 10. August noch die Saisoneröffnung mit einem Testspiel gegen Juventus Turin im Signal Iduna Park, bevor es eine Woche später beim ambitionierten Drittligisten in Essen ernst wird.
Für Kovac und sein Team gilt es nun, die widrigen Umstände in Saalfelden zu meistern und aus der kurzen Vorbereitungszeit das Maximum herauszuholen. Die Herausforderung könnte kaum größer sein – aber genau solche Situationen sind es, in denen sich zeigt, ob der neue Trainer die richtige Wahl für Borussia Dortmund war.


