Galatasaray Istanbul: Vom Schuldenberg zur Transfer-Offensive – Gündogan folgt Sané

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 4 Min. Lesezeit

Mit der Verpflichtung von Ilkay Gündogan setzt Galatasaray Istanbul seine spektakuläre Transfer-Offensive fort. Nach Leroy Sané und Victor Osimhen ist der Ex-Nationalspieler bereits der dritte Hochkaräter, der in diesem Sommer den Weg an den Bosporus findet. Doch wie finanziert der türkische Rekordmeister diese Mega-Deals?

Der nächste deutsche Star für die Süper Lig

Es ist offiziell: Ilkay Gündogan verlässt Manchester City und unterschreibt bei Galatasaray Istanbul einen Zweijahresvertrag bis 2027. Der 34-jährige Mittelfeldspieler, der bei den Citizens zuletzt keine Rolle mehr spielte und in den ersten drei Saisonspielen ohne Einsatzminute blieb, erhält beim türkischen Meister ein Jahresgehalt von 4,5 Millionen Euro.

“Das ist ein besonderer Moment für mich und meine Familie. Wir sind voller Vorfreude und stolz, jetzt Teil von Galatasaray zu sein”, erklärte Gündogan bei seiner Ankunft am Istanbuler Flughafen. Der Transfer kam durchaus überraschend – noch vor wenigen Monaten schien eine Vertragsverlängerung in Manchester wahrscheinlich.

Wiedersehen mit Sané am Bosporus

Bei Galatasaray trifft Gündogan auf einen alten Bekannten aus der deutschen Nationalmannschaft: Leroy Sané wechselte bereits im Juni ablösefrei vom FC Bayern München zu den “Löwen”. Der 29-jährige Flügelstürmer unterschrieb einen Dreijahresvertrag und kassiert dabei ein fürstliches Gehalt: 9 Millionen Euro netto garantiert, mit Boni können es sogar bis zu 15 Millionen Euro werden.

Die Verpflichtung Sanés löste bereits einen wahren Hype aus – Tausende Fans empfingen ihn bei seiner Ankunft frenetisch am Flughafen. “Ich war sehr beeindruckt von der Atmosphäre und der Größe des Klubs”, schwärmte Sané. Nach fünf Jahren bei Bayern, in denen er vier Meistertitel gewann, wagt er nun das Abenteuer Türkei.

Osimhen-Deal sprengt alle Dimensionen

Den absoluten Höhepunkt der Transferoffensive markiert jedoch Victor Osimhen. Nach einer erfolgreichen Leihe in der Vorsaison (37 Tore in 41 Spielen) verpflichtete Galatasaray den nigerianischen Stürmer fest von der SSC Neapel – für die Rekordsumme von 75 Millionen Euro. Damit pulverisierte der Klub den bisherigen türkischen Transferrekord von 20 Millionen Euro.

Osimhen erhält einen Vierjahresvertrag bis 2029 mit einem Jahresgehalt von satten 21 Millionen Euro. Die Ablöse wird in Raten gezahlt: 40 Millionen Euro sofort, die restlichen 35 Millionen bis Juli 2026. Eine interessante Klausel: Osimhen darf bis 2027 nicht an einen anderen italienischen Verein verkauft werden.

Das Florya-Projekt: Goldgrube für Galatasaray

Die entscheidende Frage lautet: Woher nimmt Galatasaray das Geld für diese Mega-Transfers? Die Antwort liegt im Istanbuler Nobelviertel Florya. Das dortige historische Trainingsgelände des Klubs – 80 Hektar bestes Bauland – soll verkauft werden und Erlöse zwischen 500 und 600 Millionen Euro einbringen.

Bereits jetzt floss eine erste Tranche von 50 Millionen Euro als Vorschuss, die direkt in Transfers investiert wurde. Das Projekt sieht vor, dass auf dem Gelände hochwertige Wohn- und Gewerbeimmobilien entstehen, an deren Verkaufserlösen Galatasaray zu 50 Prozent beteiligt ist. Bei über 40 Hektar in zentraler Lage könnten die Nettoerlöse für den Klub deutlich über 300 Millionen Euro liegen.

Explodierende Sponsoring-Einnahmen

Neben dem Florya-Deal profitiert Galatasaray von massiv gestiegenen Sponsoring-Einnahmen. Der neue Hauptsponsor Pasifik Holding zahlt mit 80 Millionen Euro jährlich mehr als doppelt so viel wie der Vorgänger. Insgesamt belaufen sich die Sponsoring-Einnahmen auf einen Rekordwert von über 80 Millionen Euro pro Saison.

“Wir haben die 70-Millionen-Dollar-Marke bei den Sponsoring-Einnahmen überschritten. Das ist Rekord!”, jubelte Vizepräsident Niyazi Yelkencioğlu. Der sportliche Erfolg mit drei Meistertiteln in Folge und die spektakulären Transfers haben das internationale Interesse am Klub enorm gesteigert.

Champions League als großes Ziel

Die sportlichen Ambitionen sind klar definiert: In der heimischen Liga bleiben Titel Pflicht, doch das große Ziel heißt Champions League. “Wir wollen in Europa ganz oben angreifen – mindestens das Viertelfinale, am liebsten das Finale”, kündigte Vizepräsident Metin Öztürk an.

In der diesjährigen Champions League trifft Galatasaray in der Ligaphase auf absolute Schwergewichte: Liverpool und Manchester City zu Hause, Atlético Madrid und Ajax Amsterdam auswärts sind nur einige der hochkarätigen Gegner. Mit Stars wie Gündogan, Sané und Osimhen will man endlich wieder international für Furore sorgen.

Kritische Stimmen und Zukunftsaussichten

Trotz aller Euphorie gibt es auch kritische Stimmen. Die drei Istanbuler Großklubs plagen Schulden von über 1,1 Milliarden Euro. Experten warnen davor, dass Galatasaray bereits mit Geld kalkuliert, das noch gar nicht auf dem Konto ist. Die Finanzierung basiert teilweise auf Prognosen und Überschreibungen von Vermögenswerten.

Dennoch: Die Aufbruchsstimmung am Bosporus ist nicht zu übersehen. Mit der Verpflichtung von Weltklasse-Spielern will Galatasaray zurück in die europäische Elite. Für Gündogan ist es ein Wechsel mit großer Symbolik – zurück in die Heimat seiner Familie. “Jetzt beginnt für mich etwas ganz Neues”, sagte er. “Und ich will mithelfen, dass Galatasaray auch international wieder Schlagzeilen schreibt.”

Fazit

Mit Gündogan, Sané und Osimhen hat Galatasaray in diesem Transfersommer ein deutliches Zeichen gesetzt. Die finanziellen Mittel aus dem Florya-Projekt und gestiegene Sponsoring-Einnahmen ermöglichen eine nie dagewesene Transfer-Offensive. Ob sich die hohen Investitionen sportlich auszahlen, wird sich in der Champions League zeigen. Die Erwartungen der leidenschaftlichen Fans sind jedenfalls riesig – sie träumen von einer Rückkehr zu den glorreichen Zeiten um die Jahrtausendwende, als Galatasaray den UEFA-Cup gewann.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.