Deutschland vs. Portugal: EM-Hauptrunde 2026 | Analyse & Vorschau

Lukas Stratmann
| veröffentlicht am: 22.01.26 (aktualisiert: 22.01.26)
geprüft von René Müller | 4 Min. Lesezeit

Nach dem erlösenden 34:32-Sieg gegen Spanien steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft vor dem nächsten Härtetest. Am Donnerstagnachmittag (15:30 Uhr) trifft das Team von Bundestrainer Alfred Gislason in Herning auf Portugal – den Sensationssieger über Weltmeister Dänemark und WM-Viertelfinalbezwinger des DHB-Teams.

Was für eine Woche für den deutschen Handball! Erst das Chaos nach der Niederlage gegen Serbien, dann die furiose Antwort gegen Spanien – und nun der Auftakt in eine Hauptrundengruppe, die DHB-Sportdirektor Benjamin Chatton nicht umsonst als “absolute Todesgruppe” bezeichnet. Neben Portugal warten noch Norwegen, Dänemark und Titelverteidiger Frankreich auf die Adlerträger.

Portugals Sensation erschüttert das Turnier

Die Iberer haben mit ihrem 31:29-Coup gegen Gastgeber und Topfavorit Dänemark die Handball-Welt ins Staunen versetzt. In der Jyske Bank Boxen, wo die Skandinavier eigentlich als unbezwingbar galten, demontierte das Team von Trainer Paulo Pereira den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger. “Dänemark muss irgendwann verlieren – warum nicht gegen Portugal?”, hatte Pereira seinen Spielern vor dem Spiel gesagt. Er sollte recht behalten.

Die portugiesische Defensive machte den dänischen Superstars um Mathias Gidsel das Leben zur Hölle. Linksaußen Rune Dahmke beschrieb es treffend: “Es wirkte, als ob sie gesagt hätten: Wir schlagen hinten auf alles, was sich bewegt.” Die bulligen Mittelblocker Salvador Salvador und Victor Iturriza zerstörten den gegnerischen Rückraum mit Mitteln, die an der Grenze des Erlaubten waren – und manchmal darüber hinaus.

Die Costa-Brüder als größte Gefahr

Im Zentrum des portugiesischen Offensivwirbels stehen zwei Namen, die sich das DHB-Team bereits schmerzlich merken musste: Martim und Francisco “Kiko” Costa. Die beiden Brüder von Sporting Lissabon erzielten gegen Dänemark jeweils neun Treffer und führen Portugal mit atemberaubendem Tempo an. Der 23-jährige Martim und der erst 20-jährige Francisco werden bereits als “Weltstars trotz ihres jungen Alters” gehandelt – Barcelona soll Interesse signalisiert haben.

“Insgesamt ist es natürlich so, dass die beiden Costa-Brüder die alles überragenden Spieler bei den Portugiesen sind”, warnt DHB-Torhüter Andreas Wolff. “Sie sind inzwischen schon Weltstars, bringen überragende Fähigkeiten mit und leiten das Spiel.” Besonders gefährlich: Die Brüder werfen von Positionen, die man normalerweise nicht erwartet – eine enorme Herausforderung für jede Abwehr.

Wichtige Nachricht für Deutschland: Portugal muss auf Kreisläufer Victor Iturriza verzichten. Die EHF sperrte den 35-Jährigen für ein Spiel, nachdem er Dänemarks Welthandballer Mathias Gidsel mit ausgestrecktem Arm geblockt hatte. Iturriza war beim WM-Viertelfinale 2025 mit sieben Treffern ein Schlüsselspieler beim portugiesischen Sieg über Deutschland (31:30 n.V.).

Deutsche Hoffnungsträger in Topform

Das DHB-Team geht mit dem Rückenwind des Spanien-Sieges in die Partie. Allen voran Renars Uscins, der gegen die Iberer eine Galavorstellung ablieferte: Acht Tore aus zehn Versuchen, dazu entscheidende Balleroberungen in der Schlussphase. Der 23-Jährige ist mit 18 Treffern treffsicherster deutscher Spieler im Turnier und bewies gegen Spanien seine Nervenstärke – etwa beim spektakulären Kempa-Treffer zum 29:26.

Neben Uscins werden Spielmacher Juri Knorr, Kreisläufer Justus Fischer und die Torhüter Andreas Wolff sowie David Späth zu den Säulen zählen müssen. Besonders Fischer überzeugte gegen Spanien mit fünf Treffern und seiner emotionalen Spielweise, während Späth bei seiner Einwechslung sofort wichtige Paraden zeigte.

Die letzten Duelle Deutschland – Portugal

Datum Ergebnis Turnier
29. Januar 2025 Portugal – Deutschland 31:30 n.V. WM-Viertelfinale
6. Januar 2024 Deutschland – Portugal 35:31 Freundschaftsspiel
4. Januar 2024 Deutschland – Portugal 34:33 Freundschaftsspiel
7. November 2021 Deutschland – Portugal 30:32 Freundschaftsspiel
5. November 2021 Deutschland – Portugal 30:28 Freundschaftsspiel

Schlüssel zum Erfolg

Für Deutschland wird es entscheidend sein, die aggressive portugiesische Abwehr zu überspielen und selbst defensiv kompakt zu stehen. Wolff betont, dass Portugal “eine Mannschaft ist, die genau den Spirit an den Tag legt, den auch wir an den Tag legen wollen” – eine Einheit aus jungen Talenten und erfahrenen Kräften, die alles für den Erfolg gibt.

Die Statistik spricht dabei für Deutschland: Portugal gewann nur eines der letzten neun direkten Duelle innerhalb der regulären Spielzeit. Doch das jüngste Pflichtspielduell beim WM-Viertelfinale endete mit 26:26 nach 60 Minuten – erst in der Verlängerung setzten sich die Lusitanier durch.

Bundestrainer Gislason gibt sich kämpferisch, auch wenn er zugibt: “Ja, wir haben damit gerechnet, dass Dänemark der nächste Gegner sein würde.” Die Überraschung durch Portugals Sieg wirbelte die deutschen Planungen durcheinander. Nun gilt es, sich auf einen Gegner einzustellen, der gerade ein Handball-Märchen schreibt.

Bedeutung für das Turnier

Ein Sieg gegen Portugal würde Deutschland in eine hervorragende Ausgangsposition für das Halbfinale katapultieren. Denn die Punkte aus der Vorrunde werden mitgenommen – beide Teams starten mit 2:0 Zählern. Für die Qualifikation zur Vorschlussrunde zählen nur die beiden Erstplatzierten der Hauptrundengruppe. Das bedeutet: Deutschland muss mindestens eines der Schwergewichte Dänemark oder Frankreich ausschalten.

Portugal hingegen reist auf einer Euphoriewelle. “Wenn wir unsere Leistung bringen, ist alles möglich”, sagte Trainer Pereira nach dem Dänemark-Triumph. Martim Costa sendete bereits eine Kampfansage: “Wir kennen Deutschland. Sie haben einen der besten Torhüter und eine starke Abwehr. Aber wir wissen, was wir zu tun haben.”

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Spiel: Deutschland – Portugal
  • Datum: Donnerstag, 22. Januar 2026
  • Anstoß: 15:30 Uhr
  • Ort: Jyske Bank Boxen, Herning (Dänemark)
  • Turnier: Handball-EM 2026, Hauptrunde Gruppe 1
  • Weitere deutsche Gegner: Norwegen (24.01.), Dänemark (26.01.), Frankreich (28.01.)

Das DHB-Team ist bereit


Nach dem Zittern in der Vorrunde hat die deutsche Mannschaft bewiesen, dass sie unter Druck funktioniert. Der Sieg gegen Spanien war mehr als nur Ergebniskosmetik – er war ein Statement. Nun wartet mit Portugal ein Gegner, der exakt weiß, wie man Deutschland schlagen kann. Doch diesmal fehlt den Iberern mit Iturriza einer ihrer wichtigsten Kreisläufer, und das DHB-Team ist gewarnt.

Die Handball-Fans dürfen sich auf ein packendes Duell freuen. Beide Mannschaften bringen den unbedingten Siegeswillen mit, beide verfügen über hochkarätige Individualkönner. Am Ende wird entscheiden, wer die besseren Nerven behält – und wer die gefährlichen Costa-Brüder in den Griff bekommt.

Lukas Stratmann - Senior Football Analyst & Betting Strategist |
Lukas Stratmann Lukas Stratmann ist ehemaliger Video-Analyst der 2. Bundesliga und Absolvent der Deutschen Sporthochschule Köln mit DFB-Elite-Jugend-Lizenz. Nach seiner Tätigkeit als leitender Redakteur bei einem europäischen Fußball-Statistikportal arbeitet er seit 2022 als freiberuflicher Betting Consultant. Seine Expertise liegt in der Verbindung von taktischer Spielanalyse mit datenbasierten Metriken wie xG und PPDA – mit besonderem Fokus auf Bundesliga, 2. Bundesliga und Player-Props-Märkte.