Bundesliga bald in den USA? LaLiga macht es vor

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 4 Min. Lesezeit

Die Grenzen des europäischen Vereinsfußballs verschwimmen zunehmend. Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen steht LaLiga kurz davor, Geschichte zu schreiben: Das Spiel zwischen dem FC Villarreal und dem FC Barcelona am 20. Dezember 2025 soll im Hard Rock Stadium in Miami stattfinden – 7.500 Kilometer vom heimischen Estadio de la Cerámica entfernt. Auch die Serie A plant mit dem Duell zwischen AC Milan und Como im australischen Perth einen ähnlichen Schritt. Die Frage ist: Folgt die Bundesliga diesem internationalen Trend?

Der Durchbruch: LaLiga macht Ernst

Nach fast einem Jahrzehnt der Bemühungen scheint LaLiga-Präsident Javier Tebas seinem Ziel zum Greifen nahe. Die spanische Fußballföderation (RFEF) hat am 11. August 2025 grünes Licht für die Austragung des Spiels zwischen Villarreal und Barcelona in Miami gegeben. Die Zustimmung von UEFA und FIFA gilt als Formsache, nachdem ein wegweisender Rechtsstreit den Weg geebnet hat.

Den Durchbruch ermöglichte eine Einigung zwischen FIFA und Relevent Sports, dem Sportvermarktungsunternehmen des US-Milliardärs Stephen Ross. Das Unternehmen hatte 2019 eine Kartellrechtsklage gegen FIFA und den US-Fußballverband eingereicht, nachdem diese die Austragung ausländischer Ligaspiele in den USA blockiert hatten. Die Einigung im April 2024 öffnete die Tür für diesen historischen Schritt.

Kompensation für die Fans

Villarreal zeigt sich großzügig gegenüber seinen treuen Anhängern: Klubpräsident Fernando Roig kündigte an, dass alle Dauerkarteninhaber kostenlose Flüge und Eintrittskarten für das Spiel in Miami erhalten. Wer nicht reisen möchte, bekommt 20 Prozent Rabatt auf seine Saisonkarte. Diese Maßnahmen sollen die Kritik an der Verlegung des Heimspiels abmildern.

Real Madrid formiert den Widerstand

Nicht alle in Spanien begrüßen diese Entwicklung. Real Madrid hat sich als schärfster Kritiker positioniert und warnt vor einem “Wendepunkt im Weltfußball”. In einer offiziellen Stellungnahme argumentiert der Königsklub, dass die Verlegung das Prinzip der territorialen Gegenseitigkeit verletze und den teilnehmenden Vereinen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffe.

Die Blancos haben bereits bei FIFA, UEFA und dem spanischen Sportrat formelle Beschwerden eingereicht. Sie fordern, dass solche Entscheidungen nur mit einstimmiger Zustimmung aller LaLiga-Vereine getroffen werden sollten. Der Konflikt zeigt die tiefen Gräben zwischen kommerziellen Interessen und sportlicher Tradition auf.

Serie A zieht nach: Mailand trifft Como in Perth

Italien folgt dem spanischen Beispiel: Die italienische Fußballföderation (FIGC) hat im Juli 2025 einen Antrag genehmigt, das Serie-A-Spiel zwischen AC Milan und Como am 6. Februar 2026 im australischen Perth auszutragen. Der Grund ist pragmatisch: Das San Siro wird zu diesem Zeitpunkt für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 2026 benötigt.

Die Wahl Australiens ist strategisch durchdacht. Mit einer großen italienischen Diaspora und einem wachsenden Fußballmarkt bietet Perth ideale Bedingungen. Das 60.000 Zuschauer fassende Optus Stadium würde zum ersten Mal ein reguläres europäisches Ligaspiel beherbergen – sofern FIFA, UEFA und die asiatische Fußballkonföderation zustimmen.

Die treibende Kraft: Relevent Sports und der US-Markt

Hinter vielen dieser Initiativen steht Relevent Sports. Das Unternehmen des Miami-Dolphins-Besitzers Stephen Ross hat sich als einflussreicher Player im globalen Fußballgeschäft etabliert. Nach der Beilegung der Rechtsstreitigkeiten mit FIFA und dem US-Fußballverband ist der Weg frei für ausländische Ligaspiele in den USA.

Relevent vermarktet bereits LaLiga in Nordamerika und hat kürzlich einen historischen Deal abgeschlossen: Ab der Saison 2027/28 wird das Unternehmen die globalen Medienrechte für die UEFA-Klubwettbewerbe vermarkten. Dies öffnet die Tür für mögliche Champions-League-Spiele in den USA – ein Szenario, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Bundesliga: Zwischen Tradition und kommerziellem Druck

Die DFL betont weiterhin, dass reguläre Bundesligaspiele im Ausland nicht geplant seien. Die Erfahrungen mit den massiven Fanprotesten gegen den gescheiterten Investoreneinstieg im Jahr 2024 haben tiefe Spuren hinterlassen. Die deutsche Fankultur mit ihrer starken Verwurzelung in lokalen Traditionen macht eine Verlegung von Ligaspielen politisch heikel.

Allerdings hält sich die DFL beim Supercup alle Optionen offen. In der Spielordnung heißt es explizit, dass “Spieltermin und -ort von der DFL festgelegt werden” und auch ein Stadion im Ausland infrage komme. Der kürzlich in Franz-Beckenbauer-Supercup umbenannte Wettbewerb könnte als Testballon dienen – ähnlich wie in Spanien und Italien, wo Supercup-Spiele bereits im Ausland stattfanden.

Der internationale Kontext: Mehr als nur Fußball

Die Diskussion um Auslandsspiele ist Teil eines größeren Trends im Profisport. Die NFL spielt seit Jahren reguläre Saisonspiele in London und Deutschland, die NBA expandiert nach Europa und Afrika. Der Fußball als globalstes Sportprodukt kann sich diesem Trend kaum entziehen.

Für die Vereine geht es um Millioneneinnahmen und die Erschließung neuer Märkte. Der US-amerikanische Sportmarkt mit seiner kaufkräftigen Zielgruppe ist besonders attraktiv. Mit der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird das Interesse am Fußball in Nordamerika weiter steigen.

Fazit: Eine Frage der Zeit?

Die Entwicklungen in Spanien und Italien zeigen: Der Widerstand gegen Auslandsspiele bröckelt. Was einst als unantastbares Tabu galt, wird zunehmend zur Realität. Die Bundesliga steht vor einem Dilemma: Einerseits der kommerzielle Druck, mit anderen europäischen Topligen mitzuhalten, andererseits die Verpflichtung gegenüber den Fans und der deutschen Fußballtradition.

Ein Supercup zwischen Bayern München und Borussia Dortmund vor der Skyline Manhattans? Was heute noch wie Science-Fiction klingt, könnte schneller Realität werden als gedacht. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann und unter welchen Bedingungen. Der europäische Fußball steht an einem Wendepunkt – und die Bundesliga muss entscheiden, welchen Weg sie einschlägt.


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Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.