Der FC Bayern München hat seine Bemühungen um Stürmer Nick Woltemade vom VfB Stuttgart vorerst auf Eis gelegt. Nach wochenlangen erfolglosen Verhandlungen konzentriert sich der deutsche Rekordmeister nun vollständig auf die Verpflichtung von Luis Díaz vom FC Liverpool. Wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten, wird es zunächst kein drittes Angebot für den 23-jährigen Angreifer geben.
Die Ausgangslage: Bayern scheitert an Stuttgarts Preisvorstellungen
Die Münchner hatten zuletzt ein Angebot von 50 Millionen Euro plus fünf Millionen Euro an leistungsbezogenen Bonuszahlungen für Woltemade unterbreitet. Der VfB Stuttgart zeigte sich jedoch kompromisslos und forderte mindestens 65 Millionen Euro als Verhandlungsbasis – manche Berichte sprechen sogar von einer dreistelligen Millionensumme als Einstieg in konkrete Gespräche.
Bayern hat Woltemade über seinen Rückzug informiert und wird vorerst kein drittes Angebot abgeben. Der Spieler, der seinen Wechselwunsch klar kommuniziert hatte und bereits eine grundsätzliche Einigung mit dem FC Bayern bis 2030 erzielt haben soll, muss sich nun auf die neue Saison beim VfB vorbereiten.
Die Verhandlungspositionen im Detail:
| Aspekt | FC Bayern | VfB Stuttgart |
| Letztes Angebot | 50 Mio. € + 5 Mio. € Boni | Abgelehnt |
| Preisvorstellung | Maximal 50-55 Mio. € | Mindestens 65 Mio. € |
| Vertragssituation | Einigung mit Spieler bis 2030 | Vertrag bis 2028, keine Ausstiegsklausel |
| Aktueller Status | Vorübergehender Rückzug aus Verhandlungen | Keine Gesprächsbereitschaft |
Woltemades beeindruckende Bilanz rechtfertigt Stuttgarts Haltung
Die kompromisslose Position der Schwaben ist durchaus nachvollziehbar. Woltemade erzielte in der Saison 2024/25 in 28 Bundesliga-Spielen 12 Tore und gab 2 Vorlagen. Mit einer Trefferquote von 0,67 Toren pro 90 Minuten und einer bemerkenswerten Schussgenauigkeit von 73,33% etablierte sich der 1,98 Meter große Angreifer als einer der effizientesten Stürmer der Liga.
Besonders beeindruckend: Bei der U21-Europameisterschaft 2025 wurde er mit sechs Toren in fünf Spielen Torschützenkönig, obwohl Deutschland im Finale gegen England mit 2:3 nach Verlängerung unterlag. Diese Leistungen haben seinen Marktwert in die Höhe schnellen lassen – Stuttgart wechselte ihn erst im Sommer 2024 ablösefrei von Werder Bremen.
Karazor und Wohlgemuth: Klare Ansagen aus Stuttgart
Die Vereinsführung des VfB Stuttgart hat ihre Position unmissverständlich kommuniziert. Kapitän Atakan Karazor führte persönliche Gespräche mit Woltemade, in denen er die Wertschätzung des Teams vermittelte und die Bedeutung des Stürmers für die Vereinszukunft betonte.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth wurde noch deutlicher: “Es ist das absolut wahrscheinlichste Szenario, dass Nick in der Saison 2025/26 unsere Farben tragen wird”, erklärte der 46-Jährige gegenüber der Bild-Zeitung. Er bestätigte zwar das offizielle Interesse der Bayern, machte aber gleichzeitig klar, dass man nicht verhandlungsbereit sei.
Bayern setzt neue Prioritäten: Díaz-Transfer im Fokus
Der FC Bayern hat sich unterdessen die Dienste von Luis Díaz gesichert. Der kolumbianische Flügelspieler wechselt für eine Ablösesumme von 65,5 Millionen Euro (75 Millionen Euro inklusive Boni) vom FC Liverpool nach München. Damit wird Díaz zum drittteuersten Transfer der Vereinsgeschichte.
Die Verpflichtung des 28-jährigen Kolumbianers, der bei Liverpool in 148 Spielen 41 Tore erzielte und 23 Vorlagen gab, zeigt die veränderten Prioritäten der Bayern-Führung. Sportvorstand Max Eberl hatte offenbar drei potenzielle Verstärkungen für die Offensive im Blick, musste sich aber aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen entscheiden.
Kompromisslose Haltung: Wehrle verweigert persönliche Gespräche
Die Härte der Stuttgarter Position zeigt sich auch in Details der Verhandlungsführung. VfB-Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle soll laut Medienberichten sogar ein persönliches Treffen mit seinem Münchner Amtskollegen Jan-Christian Dreesen abgelehnt haben. Diese Verweigerungshaltung sollte den Druck auf die Bayern erhöhen – eine Taktik, die offenbar aufging.
Zwar gab es nach Informationen der Bild-Zeitung ein klärendes Telefonat zwischen Max Eberl und Fabian Wohlgemuth, das konstruktiv verlaufen sein soll. Eine Annäherung in der Sache blieb jedoch aus.
Woltemade im Trainingslager: Professionell trotz geplatztem Wechsel
Woltemade reiste mit seinen Stuttgarter Teamkollegen ins Trainingslager nach Rottach-Egern am Tegernsee – ironischerweise nur wenige Kilometer von den Wohnorten von Uli Hoeneß und Max Eberl entfernt. Der Stürmer absolvierte alle Leistungstests und zeigte sich professionell, obwohl sein Wechselwunsch vorerst unerfüllt bleibt.
Trainer Sebastian Hoeneß vermied weitere Stellungnahmen zur Causa Woltemade und verwies darauf, dass bereits alles gesagt worden sei. Die Integration des Spielers in die Saisonvorbereitung verlief nach Vereinsangaben reibungslos.
Wie geht es weiter?
Die Bayern haben signalisiert, dass sie “vorerst” von weiteren Angeboten absehen – was Raum für Spekulationen lässt. Es wird erwartet, dass der Rekordmeister nach Abschluss des Díaz-Transfers möglicherweise erneut in Verhandlungen eintreten könnte. Das Transferfenster ist noch bis zum 1. September 2025 geöffnet.
Für Woltemade bedeutet die aktuelle Situation eine persönliche Enttäuschung. Der gebürtige Bremer hatte sich bereits auf einen Wechsel nach München eingestellt und soll dort einen Fünfjahresvertrag unterschrieben haben. Nun muss er sich zunächst wieder voll auf seine Aufgaben in Stuttgart konzentrieren.
Fazit: Poker mit offenem Ausgang
Der Transferpoker um Nick Woltemade zeigt exemplarisch die veränderten Machtverhältnisse im deutschen Fußball. Der VfB Stuttgart kann es sich leisten, selbst dem FC Bayern die Stirn zu bieten und astronomische Ablösesummen zu fordern. Mit der erfolgreichen Qualifikation für die Champions League im Rücken und einem Spieler ohne Ausstiegsklausel haben die Schwaben alle Trümpfe in der Hand.
Ob die Bayern nach dem Díaz-Transfer noch einmal nachlegen, bleibt abzuwarten. Klar ist: Sollte Woltemade seine Leistungen aus der vergangenen Saison bestätigen, dürfte sein Marktwert weiter steigen. Stuttgart pokert hoch – und könnte am Ende als Sieger vom Platz gehen.


