Das Transferfenster in Deutschland ist seit dem 3. Februar geschlossen, doch für den FC Bayern München öffnet sich in letzter Minute noch eine Tür in die Türkei. Sacha Boey steht unmittelbar vor einer Rückkehr zu Galatasaray Istanbul. Wie der renommierte Transferexperte Fabrizio Romano bestätigte, haben sich beide Vereine auf eine Leihe bis zum Saisonende inklusive einer nicht verpflichtenden Kaufoption geeinigt. Galatasaray übernimmt dabei Boeys komplettes Gehalt bis Ende Juni. Der Medizincheck soll noch am Donnerstag in Istanbul stattfinden, die Unterschriften müssen spätestens am Freitag gesetzt werden – dann schließt das Transferfenster in der Türkei.
Für den 25-jährigen Franzosen endet damit ein Kapitel, das als eine der kostspieligsten Fehleinschätzungen der jüngeren Bayern-Geschichte in die Klubchronik eingehen dürfte. Im Januar 2024 hatten die Münchner satte 30 Millionen Euro Ablöse plus fünf Millionen Euro Bonuszahlungen für den Rechtsverteidiger an Galatasaray überwiesen. Der damalige Sportdirektor Christoph Freund erhoffte sich einen modernen, offensivstarken Außenverteidiger, der das Bayern-Spiel auf der rechten Seite beflügeln sollte. Doch es kam alles anders.
Verletzungen, Disziplinprobleme und sportliche Enttäuschungen
Bereits kurz nach seiner Ankunft in München wurde Boey von einer Serie schwerer Verletzungen heimgesucht. Zunächst ein Muskelfaserriss, dann ein Muskelbündelriss, gefolgt von einem Meniskusriss im Herbst 2024 und schließlich Problemen am Sprunggelenk. Die Folge: Monatelange Pausen, kein zusammenhängender Spielrhythmus und kaum Gelegenheit, sich unter Beweis zu stellen. In seiner gesamten Bayern-Zeit kam Boey auf lediglich 38 Pflichtspieleinsätze, davon 24 in der Bundesliga – ohne ein einziges Tor und mit nur zwei Vorlagen.
In der laufenden Saison schien sich das Blatt zunächst zu wenden. Unter Trainer Vincent Kompany erhielt Boey zum Saisonstart überraschend regelmäßig Einsatzzeit und kam in neun Bundesligapartien zum Zug. Seit dem 1. November 2025 allerdings absolvierte der Franzose keine einzige Pflichtspielminute mehr für den deutschen Rekordmeister. Offiziell wurden zunächst gesundheitliche Gründe angegeben. Doch nach Informationen des kicker steckte deutlich mehr dahinter: Disziplinprobleme sorgten intern für zunehmenden Unmut.
Berichten zufolge kam es zu einem konkreten Vorfall, bei dem Boey für eine Einwechslung vorgesehen war, sich jedoch so viel Zeit beim Vorbereiten ließ, dass Kompany die geplante Einwechslung kurzerhand strich. Dies soll nur einer von mehreren Zwischenfällen gewesen sein. Hinzu kommt die mangelnde taktische Flexibilität des Spielers, der ausschließlich als Rechtsverteidiger einsetzbar ist – ein Nachteil im System der Bayern, die mit einem vergleichsweise kleinen Kader arbeiten und auf vielseitig verwendbare Spieler setzen.
Eberl legte Boey den Wechsel nahe
Sportvorstand Max Eberl machte in den vergangenen Wochen keinen Hehl daraus, dass ein Abschied für alle Beteiligten die beste Lösung wäre. “Durch die Rückkehr von Hiroki Ito und Alphonso Davies haben wir Außenverteidiger en masse und von hoher Qualität. Dann kann es für den einen oder anderen Spieler schwer werden”, erklärte Eberl auf einer Pressekonferenz. Die Botschaft war unmissverständlich: Boey hatte keine Zukunft mehr in München.
Dennoch gestaltete sich die Suche nach einem Abnehmer schwierig. Im Januar sollen Angebote von Olympique Lyon vorgelegen haben, auch Olympique Marseille und mehrere Premier-League-Klubs fragten an. Boey lehnte die konkreten Offerten jedoch ab. Erst in den letzten 24 Stunden vor Deadline des türkischen Transferfensters kam Bewegung in die Sache: Galatasaray intensivierte die Bemühungen und konnte den Spieler von einer Rückkehr an den Bosporus überzeugen.
Zurück an die alte Wirkungsstätte
Für Boey schließt sich mit der Rückkehr nach Istanbul ein Kreis. Der gebürtige Pariser, der in Montreuil aufwuchs und in der Jugendakademie von Stade Rennes ausgebildet wurde, hatte zwischen 2021 und 2024 bei Galatasaray die erfolgreichste Phase seiner bisherigen Karriere erlebt. Nach einem Leihgeschäft bei Dijon holten ihn die “Löwen” für rund 5,65 Millionen Euro und formten ihn zu einem der besten Rechtsverteidiger der SüperLig. Mit seinem enormen Offensivdrang und seiner Dynamik spielte sich Boey ins Rampenlicht der europäischen Topklubs und gewann 2023 den türkischen Meistertitel.
Bei seinem potenziellen neuen alten Arbeitgeber trifft Boey auf prominente Gesichter: Mit Leroy Sané und Ilkay Gündogan stehen zwei ehemalige Bundesliga-Stars im Kader von Galatasaray. Die Istanbuler führen als amtierender Double-Gewinner die Tabelle der SüperLig mit drei Punkten Vorsprung vor Erzrivale Fenerbahce an und treffen in den Playoffs der Champions League auf Juventus Turin.
Besonders brisant: Boey könnte für die Champions League noch nachgemeldet werden – allerdings nur, wenn alle Formalitäten bis Donnerstagabend bei der UEFA eingereicht sind. Ein extrem enger Zeitrahmen, der die Dringlichkeit des Deals unterstreicht.
Bayern hofft auf die Kaufoption
Für den FC Bayern ist die Leihe zunächst vor allem eine finanzielle Entlastung. Galatasaray übernimmt das vollständige Gehalt des Franzosen bis zum Sommer. Über die genaue Höhe der vereinbarten Kaufoption ist bislang nichts bekannt, im Dezember hatte Bayern noch eine Ablöse von 20 Millionen Euro für Boey aufgerufen. Es ist davon auszugehen, dass die Münchner bei einem endgültigen Verkauf ein deutliches Minus gegenüber der ursprünglichen Investition hinnehmen müssten.
Die Hoffnung an der Säbener Straße dürfte sein, dass Boey bei Galatasaray wieder zu alter Stärke findet und der türkische Topklub die Kaufoption am Saisonende tatsächlich zieht. Dann wäre das Missverständnis Boey – eines der teuersten in der Bayern-Geschichte – endgültig beendet. Sollte das nicht gelingen, kehrt der Rechtsverteidiger im Sommer nach München zurück, wo sein Vertrag noch bis 2028 datiert ist. Dann stünden die Bayern wieder am Anfang der Suche nach einer Lösung.


