Am Freitag und Samstag (6. und 7. Februar) wird die Mehrzweckhalle Castello im Düsseldorfer Süden zum Schauplatz eines historischen Premierenduells: Erstmals in der über 100-jährigen Geschichte des Davis Cup treffen Deutschland und Peru aufeinander. Rund 3.300 Zuschauer werden erwartet, wenn Bundestrainer Michael Kohlmann sein Team in die erste Qualifikationsrunde des traditionsreichsten Mannschaftswettbewerbs im Tennis schickt.
Für Deutschland geht es um nichts Geringeres als den ersten Schritt auf dem Weg zu den Davis Cup Finals 2026, die Ende November (24. bis 29. November) in Bologna ausgetragen werden. Dort scheiterte das DTB-Team im vergangenen Jahr im Halbfinale knapp mit 1:2 an Spanien – eine Niederlage, die beim Bundestrainer immer noch nachwirkt.
| Begegnung | Deutschland vs. Peru (1. Qualifikationsrunde) |
| Termin | 6. Februar ab 16:00 Uhr / 7. Februar ab 13:00 Uhr |
| Spielort | Castello Düsseldorf (Hartplatz, Rebound Ace) |
| Modus | 4 Einzel, 1 Doppel – Sieger nach Best-of-Five-Matches |
| Übertragung | Kostenlos auf tennis.de und Joyn |
Zverev pausiert nach Melbourne-Marathon
Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev (28, Weltranglistenplatz 4) fehlt in Düsseldorf. Der Grund: Die physischen und mentalen Nachwirkungen der Australian Open, wo er Ende Januar ein episches Halbfinale gegen den Weltranglistenersten Carlos Alcaraz über fünf Sätze und 5:27 Stunden verlor. Zverev hatte dabei einen 0:2-Satzrückstand aufgeholt, im fünften Durchgang sogar mit Break 5:3 geführt – und am Ende dennoch das Nachsehen gehabt.
“Alexander hat in Australien relativ lang und sehr intensiv gespielt, wirkte auch sehr platt.”
– Michael Kohlmann, Bundestrainer
Auch Daniel Altmaier (27, Weltranglistenplatz 44), Deutschlands Nummer zwei im Ranking, steht nicht zur Verfügung. Altmaier hat seinen Saisonstart auf die südamerikanische Sandplatzsaison ausgerichtet und spielt bereits in der kommenden Woche auf seinem bevorzugten Untergrund. Kohlmann, der mit beiden Spielern im engen Austausch stand, akzeptierte die Entscheidungen und stellte sein Aufgebot entsprechend zusammen.
Struff und Hanfmann als Anführer
Die Verantwortung im Einzel liegt nun auf den Schultern der beiden Routiniers Jan-Lennard Struff (35, Weltranglistenplatz 84) und Yannick Hanfmann (34, Weltranglistenplatz 93). Beide kennen den Druck großer Länderspiele bestens. Struff lieferte erst im November beim Davis-Cup-Halbfinale in Bologna trotz einer knappen Niederlage gegen Pablo Carreño Busta eine starke Leistung ab. Hanfmann gehörte ebenfalls zum Kader in Bologna und bringt die nötige Erfahrung mit.
Im Doppel setzt Kohlmann auf bewährte Qualität: Kevin Krawietz (34) und Tim Pütz (38) bilden eines der erfolgreichsten deutschen Doppel der jüngeren Tennis-Geschichte. Das Duo gewann 2024 die ATP-Finals und zeigte auch im dramatischen Halbfinale gegen Spanien große Moral, als es trotz eines 2:6-Fehlstarts im ersten Satz nochmals zurückkam und den zweiten Durchgang mit 6:3 gewann – ehe der dritte Satz mit 3:6 verloren ging.
| Rolle | Spieler | Alter | Ranking / Info |
|---|---|---|---|
| Einzel Nr. 1 | Jan-Lennard Struff | 35 | ATP 84 |
| Einzel Nr. 2 | Yannick Hanfmann | 34 | ATP 93 |
| Doppel | Kevin Krawietz | 34 | ATP-Finals-Sieger 2024 |
| Doppel | Tim Pütz | 38 | ATP-Finals-Sieger 2024 |
| Nachwuchs | Justin Engel | 18 | 2. Davis-Cup-Nominierung |
Engel als Kronprinz im deutschen Tennis
Mit Justin Engel befindet sich ein 18-Jähriger im Aufgebot, der als größte Nachwuchshoffnung des deutschen Herrentennis gilt. Der Youngster wurde zum zweiten Mal nominiert, nachdem er bereits im September 2025 beim Auswärtssieg gegen Japan sein Davis-Cup-Debüt gefeiert hatte – damals als 17-Jähriger.
“Justin kann sich genau anschauen, wie man sich auf so ein wichtiges Spiel vorbereitet, wie man mit dem Druck umgeht. Das ist für solch junge Spieler sehr lehrreich.”
– Michael Kohlmann, Bundestrainer
Kohlmann macht keinen Hehl daraus, dass die Lücke zwischen der deutschen Spitze und dem Nachwuchs groß ist. Doch die jüngsten Erfolge im Jugendbereich stimmen optimistisch: Niels McDonald (18) gewann im vergangenen Sommer die Junior-French-Open und besiegte dort im Finale den Westfalen Max Schönhaus (18), der seinerseits am Jahresende den ITF-Juniors-Titel holte – als erster deutscher Spieler überhaupt. Der Übergang von den Junioren zu den Profis braucht allerdings Geduld.
Peru: Junges Team mit ambitioniertem Anführer
Wer Peru als leichten Gegner abtut, könnte eine Überraschung erleben. Angeführt wird die Mannschaft von Kapitän Luis Horna, einer peruanischen Tennislegende und ehemalige ATP-Nummer 33, der in seiner aktiven Karriere zwei ATP-Einzeltitel gewann. Horna hat ein junges, hungriges Team zusammengestellt, das sich durch einen Sieg über Portugal für die Qualifikationsrunde 2026 qualifizierte.
Perus Spitzenspieler Ignacio Buse ist mit 21 Jahren bereits auf dem Weltranglistenplatz 98 angekommen und hat Anfang 2026 Geschichte geschrieben, als er als erst sechster Peruaner überhaupt in die Top 100 eintrat. Der Angreifer, der nach eigener Aussage schnelle Beläge bevorzugt, trainiert an einer Akademie in Barcelona und trägt deutsch-peruanische Wurzeln – sein Urgroßvater stammte aus Deutschland. Daneben stehen Gonzalo Bueno (21, ATP 217), der erfahrene Juan Pablo Varillas (ATP 284) sowie Doppelspezialist Arklon Huertas del Pino (Doppel-ATP 254) im Kader.
Der Weg nach Bologna ist lang
Der Modus des Davis Cup 2026 sieht vor, dass 26 Nationen in der ersten Qualifikationsrunde um 13 Plätze in der zweiten Runde kämpfen. Deutschland genießt als Nummer zwei der Nationenrangliste Heimrecht. Gespielt werden insgesamt fünf Matches (vier Einzel, ein Doppel) über jeweils zwei Gewinnsätze an zwei Tagen. Das Team, das zuerst drei Siege holt, gewinnt die Begegnung.
Bei einem Erfolg gegen Peru würde Deutschland in der zweiten Qualifikationsrunde im September (18. bis 20. September) auf den Sieger der Begegnung Kroatien gegen Dänemark treffen. Sollte Kroatien gewinnen, hätte Deutschland erneut Heimrecht. Ein weiterer Sieg würde das DTB-Team direkt in die Finalrunde der besten acht Nationen nach Bologna katapultieren.
“Wir treten an, um Erfolge zu feiern. Aber erst einmal müssen wir dort hinkommen und gegen Peru gewinnen. Das arbeitet noch in uns – wir waren im Halbfinale gegen Spanien sehr nah dran. Das war eine große Chance.”
– Michael Kohlmann, Bundestrainer
Deutschland gewann den Davis Cup in seiner Geschichte dreimal: 1988 und 1989 jeweils gegen Schweden sowie 1993 in einem legendären Finale gegen Australien – damals ebenfalls in Düsseldorf. 33 Jahre später will die aktuelle Generation in derselben Stadt den Grundstein für einen erneuten Anlauf auf den Titel legen. Die Vorzeichen stehen trotz der personellen Einschränkungen gut – vorausgesetzt, das Team unterschätzt die ehrgeizigen Peruaner nicht.



