Der FC Bayern München schwächelt zur Unzeit. Zwei Pflichtspiele ohne Sieg, ein erkrankter Harry Kane und ein selbstbewusster Tabellendrittes aus Hoffenheim – das Topspiel am Sonntag (17:30 Uhr) in der Allianz Arena verspricht Hochspannung.
Vom Unantastbaren zum Verwundbaren
Noch vor wenigen Wochen schien der FC Bayern München unschlagbar. In der Champions League dominierte die Mannschaft von Vincent Kompany Gegner nach Belieben, in der Bundesliga stellte sich höchstens die Frage nach der Höhe des nächsten Sieges. Das 5:1 gegen ein ambitioniertes RB Leipzig Ende Januar war der Höhepunkt einer beeindruckenden Serie – 27 Bundesligaspiele am Stück ohne Niederlage.
Doch innerhalb von nur 19 Tagen hat sich das Bild grundlegend verändert. Die überraschende 1:2-Heimniederlage gegen den FC Augsburg brach die Unbesiegtheit und ließ erstmals Risse im Münchner Bollwerk erkennen. Nur eine Woche später folgte beim Hamburger SV ein 2:2, das sich beinahe zur zweiten Pleite in Folge ausgewachsen hätte – Alphonso Davies verhinderte in der 75. Minute mit einem verzweifelten Sprint auf der Torlinie ein HSV-Siegtor. Das Ergebnis war historisch: Erstmals seit über elf Jahren blieb der HSV gegen den FC Bayern ungeschlagen, nachdem es zuvor neun Niederlagen in Serie gegeben hatte – mit einem erschreckenden Torverhältnis von 2:39.
Vorsprung schmilzt, Kompany unter Druck
Die Konsequenz der jüngsten Ergebnisse lässt sich an der Tabelle ablesen. Der komfortable Elf-Punkte-Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund ist auf sechs Zähler zusammengeschmolzen. Zwar steht der FCB mit 51 Punkten nach 20 Spieltagen weiterhin souverän an der Spitze, doch die Dynamik hat sich verschoben. Der BVB wittert mit seinem 3:2-Sieg gegen Heidenheim Morgenluft und kommt mit Schwung aus den letzten Wochen.
Auch die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2026 hat die Kompany-Elf in nur einem von sieben Pflichtspielen kein Gegentor kassiert. Vor dem Jahreswechsel spielte der Rekordmeister noch neun von 25 Partien zu null. Die Offensive zeigt ebenfalls ungewohnte Zurückhaltung – in den vergangenen vier Spielen erzielte Bayern kein einziges Mal mehr als zwei Treffer. In den vorangegangenen 30 Pflichtspielen war das insgesamt nur sechsmal passiert.
Kane-Ausfall droht: Bayern bangt um seinen Torgaranten
Ausgerechnet vor dem Topspiel gegen Hoffenheim muss Trainer Kompany womöglich auf seinen wichtigsten Spieler verzichten. Harry Kane fehlte am Dienstag und Mittwoch krankheitsbedingt im Training – zwei Tage in Folge. Der 32-jährige Engländer, der mit 22 Bundesligatoren die Torjägerliste anführt und saisonübergreifend bereits 36 Treffer in 32 Pflichtspielen erzielt hat, ist der mit Abstand wichtigste Offensivspieler im System von Vincent Kompany. Ob der Stürmerstar am Sonntag auflaufen kann, bleibt fraglich.
Zusätzlich musste auch Sacha Boey das Training am Mittwoch vorzeitig abbrechen. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Immerhin gibt es auf der anderen Seite positive Nachrichten: Konrad Laimer, der seit einem Muskelfaserriss am 15. Januar ausgefallen war, kehrte ins Mannschaftstraining zurück. Auch Josip Stanišić, der am Vortag nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Jonathan Tah humpelnd vom Platz gegangen war, konnte am Mittwoch wieder voll mittrainieren.
Jonathan Tah sieht keine Krise – aber eine klare Aufgabe
Innenverteidiger Jonathan Tah wollte trotz der jüngsten Ergebnisse nicht von einer Krise sprechen. “Ich habe nicht das Gefühl, als würden wir in einer schlechten Phase stecken”, erklärte der 29-Jährige gegenüber Sky. Die aktuellen Probleme seien Teil des normalen Saisonverlaufs: “Die anderen Teams passen sich an – versuchen andere Dinge gegen uns zu machen, weil sie jetzt ausreichend Zeit hatten, sich anzuschauen, was Vincent Kompany möchte. Da müssen wir uns wieder adaptieren.”
Gleichzeitig warnte Tah eindringlich vor dem kommenden Gegner aus dem Kraichgau: “Sie laufen sehr viel, haben ein intensives Spiel, viele Sprints, sehr viele Tiefenläufe. Sie haben eine klare Idee, was sie machen wollen – das wird kein einfaches Spiel.” Trotz aller Respektbekundungen stellte der Sommer-Neuzugang klar: “Unser Anspruch ist, dass wir mit drei Punkten aus dem Spiel gehen.”
Hoffenheim: Das beste Team des Jahres 2026
Was die TSG 1899 Hoffenheim in dieser Saison unter Trainer Christian Ilzer zeigt, grenzt an eine Sensation. Der Tabellendritte erlebt die mit Abstand beste Saison seiner Bundesliga-Geschichte. 42 Punkte nach 20 Spieltagen – das hatte es bei den Kraichgauern noch nie gegeben. Zum Vergleich: In der gesamten Vorsaison sammelte Hoffenheim gerade einmal 32 Punkte und entging nur knapp dem Abstieg. Selbst in der legendären Debütsaison 2008/09, als die TSG sensationell als Tabellenführer in die Winterpause ging, standen zum gleichen Zeitpunkt nur 39 Zähler zu Buche.
Im Kalenderjahr 2026 ist Hoffenheim das formstärkste Team der gesamten Bundesliga: fünf Spiele, fünf Siege, 14:3 Tore. Die letzte Niederlage datiert vom 7. Dezember 2025 – ein 0:2 bei Borussia Dortmund. Seitdem hat die Ilzer-Elf in sieben Ligaspielen 19 von 21 möglichen Punkten geholt. Ein sechster Sieg in Folge wäre ein neuer Klubrekord.
Mit 43 Treffern stellt die TSG den zweitbesten Angriff der Liga und verfügt zudem über die drittbeste Abwehr (23 Gegentore). Die Torverhältnisdifferenz von +20 ist ebenfalls ein historischer Bestwert nach 20 Spieltagen.
Ilzer hat aus Hoffenheim ein Hochleistungsteam geformt
Der österreichische Trainer Christian Ilzer hat die Mannschaft grundlegend verändert. Laufbereitschaft, Intensität und Geschlossenheit sind die Markenzeichen dieser TSG-Elf. Vladimír Coufal ist der laufstärkste Spieler der gesamten Bundesliga, Grischa Prömel kommt auf beeindruckende 13,5 Kilometer pro Einsatz. “Brutaler Zusammenhalt” und die Bereitschaft zu “Blut, Schweiß und Tränen” – so beschreibt Ilzer selbst die Erfolgsformel seines Teams.
“Mit Blut meine ich den gesamten körperlichen Einsatz, mit Schweiß die tagtägliche Arbeit – und mit Tränen das Emotionale: Dass du auch schwierige Phasen in einer Saison hast und trotzdem immer ein Team bleibst”, erklärte der 48-Jährige im ZDF-Sportstudio. Die Presse überschlägt sich mit Lob: Von der “besten Hoffenheimer Elf aller Zeiten” ist die Rede, Vergleiche mit der erfolgreichen Ära unter Julian Nagelsmann werden gezogen.
Kramarić brennt auf das Bayern-Duell
Von der Hoffenheimer Formstärke profitiert vor allem ein Spieler, der gegen keinen Gegner lieber aufläuft als gegen den FC Bayern: Andrej Kramarić. Der 34-jährige Kroate ist der Top-Torschütze des Jahres 2026 und steht bei insgesamt acht Saisontoren. Kein aktiver Bundesligaspieler hat häufiger gegen den Rekordmeister getroffen als der Hoffenheimer Routinier.
“Alles läuft perfekt, wir spielen tollen Fußball und haben eine tolle Gruppe mit super Energie”, schwärmte Kramarić vor dem Topspiel. An die 1:4-Klatsche im Hinspiel verschwendet er keinen Gedanken: “Wir sind bereit – es wird ein großartiger Test. Wenn wir die Leistungen der letzten Wochen abrufen, gehen wir nicht mit leeren Händen nach Hause.”
Die Wochen der Wahrheit für den FCB
Das Topspiel gegen Hoffenheim ist nur der Auftakt einer entscheidenden Phase für den FC Bayern. Bereits drei Tage später empfängt der Rekordmeister im DFB-Pokal-Viertelfinale RB Leipzig in der Allianz Arena (11. Februar, 20:45 Uhr). Danach geht es in der Liga zu Werder Bremen, ehe am 28. Februar das richtungsweisende Duell bei Borussia Dortmund ansteht. Ab dem 10. März wartet dann das Achtelfinale der Champions League.
Für Vincent Kompany wird es in diesen Wochen darum gehen, seine Mannschaft aus dem Formtief zu führen und die Souveränität der Hinrunde zurückzugewinnen. Die Frage, die sich alle stellen: Sind die Bayern bereit für die Hoffenheimer Wucht – oder setzt sich der Abwärtstrend des Tabellenführers fort?
Anstoß: Sonntag, 8. Februar 2026, 17:30 Uhr | Allianz Arena, München
>> Bayern München – TSG Hoffenheim: Tipp & Prognose (08.02.2026)



