RB Leipzig hat am letzten Tag des Wintertransferfensters für einen echten Paukenschlag gesorgt und Brajan Gruda per Leihe von Brighton & Hove Albion verpflichtet. Der 21-jährige Offensivspieler kehrt damit in die Bundesliga zurück – und bringt jede Menge Vorfreude, eine besondere Rückennummer und große Ambitionen mit nach Sachsen.
Über 1.000 Kilometer im Auto – Grudas wilde Fahrt nach Leipzig
Dass der U21-Nationalspieler es ernst meinte mit seinem Wechselwunsch, bewies er auf ungewöhnliche Weise. Statt ein Flugzeug zu nehmen, setzte sich Gruda am Samstagabend spontan ins Auto und fuhr mit zwei Freunden rund 1.060 Kilometer von Brighton nach Leipzig – durch den Eurotunnel, quer durch Frankreich, Belgien, die Niederlande und weite Teile Deutschlands. Nach etwa elf Stunden erreichte er am Sonntagmorgen sein Ziel, absolvierte den Medizincheck und unterschrieb kurz nach Mitternacht seinen Vertrag.
“Ich wollte unbedingt zu RB Leipzig wechseln, als klar war, dass für mich ein Winterwechsel möglich ist”, erklärte Gruda. “RBL ist zum einen ein absoluter Topclub in Deutschland, zum anderen passt der Spielstil perfekt zu mir.”
Hintergrund: Brightons Trainer ließ Gruda ziehen
Dass der Transfer überhaupt zustande kam, hat vor allem mit Grudas Perspektive in England zu tun. In der laufenden Premier-League-Saison kam er zwar auf 18 Einsätze, stand dabei allerdings nur achtmal in der Startelf. Ein Tor und eine Vorlage in der Liga stellten keine befriedigende Bilanz dar – insbesondere für einen Spieler, der im Sommer 2024 für eine Sockelablöse von über 30 Millionen Euro den Verein gewechselt hatte. Inklusive leicht erreichbarer Bonuszahlungen belief sich das Gesamtpaket seinerzeit auf bis zu 40 Millionen Euro, was Gruda zum teuersten Abgang in der Geschichte des 1. FSV Mainz 05 machte.
Brightons Trainer Fabian Hürzeler, der Gruda einst unbedingt an die englische Südküste holen wollte, räumte ein: “Brajan will regelmäßig Fußball spielen und das konnten wir ihm für die zweite Saisonhälfte nicht garantieren.” Ein ehrliches Eingeständnis, das den Weg nach Sachsen freimachte.
Die Nummer 10 für einen Leihspieler – ein starkes Signal
In Leipzig wird Gruda künftig mit der Rückennummer 10 auflaufen – eine bemerkenswerte Geste für einen Leihspieler ohne Kaufoption. Die Leihgebühr soll Berichten zufolge bei einer Million Euro liegen, wobei RB das komplette Restgehalt übernimmt. Dass die Sachsen dem Neuzugang eine derart prestigeträchtige Nummer vergeben, unterstreicht sein Standing innerhalb des Vereins und ist zugleich als sanfte Form der Umwerbung zu verstehen.
Denn trotz der fehlenden Kaufoption rechnen sich die Verantwortlichen durchaus Chancen aus, Gruda bei einem erfolgreichen Verlauf der Rückrunde im Sommer fest zu verpflichten. Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer ließ zwischen den Zeilen durchblicken, dass die Leihe “zunächst” nur eine vorübergehende Lösung sein soll.
Leipzig hatte Gruda schon 2024 im Visier
Der Transfer kommt nicht ganz so überraschend, wie er auf den ersten Blick wirkt. Schäfer bestätigte, dass RB den Offensivspieler bereits seit mehreren Jahren beobachtet und ihn schon 2024 gerne verpflichtet hätte. Damals machte jedoch Brighton das Rennen – gegen namhafte Konkurrenz aus der Bundesliga. Auch Bayer Leverkusen und der FC Bayern München hatten seinerzeit großes Interesse an dem damals 20-Jährigen. “Auch danach ist der Kontakt nie abgerissen”, verriet Schäfer.
Gruda selbst bestätigte den langjährigen Austausch: “Dieser Umstand gibt mir ein gutes Gefühl und zeigt, dass der Club sowie die Verantwortlichen von mir überzeugt sind und mich wirklich in der Mannschaft haben wollen.”
Vom Speyerer Bolzplatz zum Vizeeuropameister
Grudas Werdegang liest sich wie eine klassische Aufsteigergeschichte. Geboren am 31. Mai 2004 in Speyer als Sohn des ehemaligen albanischen Fußballspielers Bujar Gruda, der unter anderem mit dem KS Vllaznia Shkodra im UEFA-Cup spielte, entwickelte der Deutsch-Albaner seine fußballerischen Grundlagen auf den Bolzplätzen seiner Heimatstadt. Ein paar Wohnblocks, viele Kinder, ein Ball und zwei Handballtore – mehr brauchte es nicht für jene langen Nachmittage, die sein Spiel bis heute prägen.
“Die Jungs waren größtenteils älter als ich, teilweise über 20 Jahre alt. Ich durfte als Einziger mitspielen”, erinnerte sich Gruda einmal. “Man kann schon sagen, dass meine Dribbelstärke aus dieser Zeit stammt.”
Über den FC Speyer 09 und das Nachwuchsleistungszentrum des Karlsruher SC gelangte Gruda 2018 in die Jugendakademie des 1. FSV Mainz 05. Dort reifte er zum Topspieler heran, wurde 2023 mit der U19 Deutscher A-Junioren-Meister – wobei er in elf Saisonspielen neun Tore erzielte – und debütierte im Januar 2023 mit gerade einmal 18 Jahren in der Bundesliga. In 30 Bundesligaspielen für Mainz kam er auf vier Tore und drei Vorlagen.
Im Sommer 2025 krönte Gruda seine bisherige Karriere als Stammspieler der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in der Slowakei. Er trug maßgeblich zum Einzug ins Finale bei und erzielte im Halbfinale gegen Frankreich beim 3:0-Erfolg das Tor zum Endstand. Im Endspiel unterlag die DFB-Auswahl England mit 2:3 nach Verlängerung – Gruda wurde Vizeeuropameister.
Welche Rolle Gruda bei RB Leipzig spielen soll
Schäfer sieht den Neuzugang vor allem auf der Position der Acht und der Zehn, wo er dem Leipziger Spiel zusätzliche Optionen verschaffen soll. Tempo, technische Qualität, Kreativität und eine starke Ballkontrolle seien die herausragenden Merkmale des Offensivspielers. Hinzu komme seine Einstellung im Defensivverhalten, die zum Leipziger Spielstil passe.
Der Bedarf ist real: Assan Ouédraogo fällt noch längere Zeit verletzt aus, und einen vergleichbaren Spielertypen hatte Leipzig bislang lediglich in Christoph Baumgartner im Kader. Auf dem rechten Flügel, seiner angestammten Position, ist die Konkurrenz durch den starken Yan Diomande allerdings groß – weshalb eine Rolle im zentralen Mittelfeld die wahrscheinlichere Variante darstellt.
Trainer Ole Werner dürfte den Neuzugang zeitnah einbauen, denn Gruda bringt wichtige Voraussetzungen mit: Er ist fit, hat in England regelmäßig gespielt und kennt die Bundesliga aus seinen Mainzer Tagen bestens. Eine lange Eingewöhnungszeit wird er kaum benötigen.
RB Leipzig auf Platz 5 – Gruda soll den Europapokal sichern
Leipzig steht nach 20 Spieltagen mit 36 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz und hat damit drei Zähler Rückstand auf die Champions-League-Ränge. Gruda selbst hat die Zielsetzung klar formuliert: “Ich möchte helfen, RB Leipzig wieder zurück nach Europa zu bringen.” Ein ambitioniertes Ziel, das angesichts des anspruchsvollen Restprogramms mit Spielen gegen den VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart jede Menge Qualität im Kader erfordert.
Bereits am kommenden Sonntag könnte Gruda sein Debüt im Leipziger Trikot feiern, wenn die Sachsen am 21. Spieltag beim 1. FC Köln antreten.
Der große Traum: Die WM 2026
Für Gruda geht es in den kommenden Monaten aber nicht nur um den Vereinserfolg. Eine starke Rückrunde soll ihm auch den Weg in die A-Nationalmannschaft ebnen – und damit den Traum von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026 am Leben halten.
“Es ist natürlich ein Traum. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es kein Traum ist. Wer will keine WM spielen?”, sagte Gruda kürzlich. Kontakt zu Bundestrainer Julian Nagelsmann gebe es bislang zwar noch nicht. “Ich hoffe aber, dass der Kontakt kommt, wenn die Leistung auf dem Platz stimmt. Dann gehe ich davon aus, dass ein Anruf reinkommt.”
Die Voraussetzungen dafür sind nicht schlecht: Nagelsmann hatte Gruda bereits im Mai 2024 für die Vorbereitung auf die Heim-EM in den DFB-Kader berufen und sich beeindruckt gezeigt. “Brajan Gruda ist ein sehr feiner Fußballer und extrem kreativ im letzten Drittel. Er hat auf sich aufmerksam gemacht”, lobte der Bundestrainer damals.
Jetzt liegt es an Gruda, diese Worte auf dem Rasen zu bestätigen – in einem Leipziger Trikot mit der Nummer 10.
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