Bayer Leverkusen: Ten Hag fordert 5 Transfers für Champions-League-Saison

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit

Bayer 04 Leverkusen steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Nach dem spektakulären Double-Gewinn 2023/24 haben mehrere Leistungsträger den Bundesliga-Vizemeister verlassen. Der neue Trainer Erik ten Hag schlägt Alarm und fordert “vier bis fünf neue Spieler”, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Die Abgänge wiegen schwer: Florian Wirtz wechselte für die Rekordsumme von bis zu 116 Millionen Pfund (136 Millionen Euro) zum FC Liverpool, während Jeremie Frimpong ebenfalls zu den Reds ging. Innenverteidiger Jonathan Tah schloss sich ablösefrei dem FC Bayern München an, und Granit Xhaka verließ den Verein für 20 Millionen Euro in Richtung AFC Sunderland.

Ten Hag unter Druck: Schwieriger Start für den Nachfolger

Der 55-jährige Niederländer übernahm im Mai 2025 das Traineramt von Xabi Alonso, der zu Real Madrid wechselte. Ten Hag, der zuvor bei Manchester United tätig war, unterschrieb einen Zweijahresvertrag bis 2027.

Der Einstand verlief allerdings holprig: Im ersten Testspiel unter seiner Leitung kassierte Leverkusen eine 1:5-Niederlage gegen die U20 von Flamengo. “Ergebnisse in der Vorbereitung sind mir eigentlich scheißegal”, relativierte ten Hag die Klatsche, erkannte aber in den letzten 30 Minuten nach Einwechslung der Stammspieler einen “sehr guten Ansatz”.

Kaderplanung: Zwischen Talenten und erfahrenen Kräften

Sportgeschäftsführer Simon Rolfes steht vor einer Mammutaufgabe. Zwar spülten die Verkäufe über 200 Millionen Euro in die Vereinskasse, doch die sportliche Substanz hat gelitten. Zu den Neuzugängen zählen Malik Tillman (von PSV Eindhoven) und Jarell Quansah (vom FC Liverpool). Torhüter Mark Flekken kam für rund 10 Millionen Euro vom FC Brentford und erhielt einen Vertrag bis 2028.

“Es ist wichtig, junges Blut in den Kader zu bringen”, betont Rolfes, “aber es braucht eine gesunde Balance.” Namen wie Malick Thiaw (AC Mailand) und Maghnes Akliouche (AS Monaco) werden als potenzielle Verstärkungen gehandelt.

Führungsvakuum und neue Hierarchie

Mit den Abgängen von Xhaka und Tah fehlen wichtige Führungsspieler. Robert Andrich könnte in die Kapitänsrolle hineinwachsen. “Wir müssen nach vorn schauen und dürfen den Abgängen nicht ewig nachtrauern”, sagte der 30-jährige Mittelfeldspieler.

Ten Hag hatte nach einem Testspiel in Rio de Janeiro deutliche Worte gefunden: “Man kann nicht verhindern, dass Spieler im Top-Fußball gehen. Aber es ist am besten, wenn nicht vier oder fünf Spieler in einem Transferfenster gehen”.

Saisonziele in Gefahr?

Nach der historischen Meisterschaft 2023/24 und dem zweiten Platz in der abgelaufenen Saison droht Leverkusen der Absturz ins Mittelmaß. Das erklärte Minimalziel lautet Champions-League-Qualifikation – ein Platz unter den Top Vier der Bundesliga.

“Vier bis fünf Spieler müssen noch kommen, um unser Ziel zu erreichen”, forderte ten Hag unmissverständlich. Mit einem auf aktuell 22 Profis geschrumpften Kader erscheint die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League kaum zu bewältigen.

Ausblick: Entscheidende Wochen für die Werkself

Das Transferfenster ist noch bis zum 1. September geöffnet. Für Leverkusen tickt die Uhr. Der Verein muss den Spagat zwischen bewährten Kräften und hungrigen Talenten meistern, um nicht den Anschluss an die Spitze zu verlieren.

Der Auftakt in die neue Saison erfolgt Mitte August im DFB-Pokal, gefolgt vom Bundesliga-Start eine Woche später. Bis dahin muss ten Hag aus den verbliebenen Spielern und hoffentlich qualitativ hochwertigen Neuzugängen eine funktionierende Einheit formen.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Werkself die Herausforderung des Umbruchs meistert oder ob nach der Euphorie der Meistersaison tatsächlich der befürchtete Absturz droht.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.