Hamann sieht BVB als Bayern-Jäger – Kovac-Effekt und Bellingham-Transfer als Schlüssel

Natalia Schubert
geprüft von Lukas Stratmann | 3 Min. Lesezeit

Dietmar Hamann sorgt mit einer mutigen Prognose für Diskussionen: Der TV-Experte sieht Borussia Dortmund in der kommenden Bundesliga-Saison 2025/26 als ernsthaften Herausforderer des FC Bayern München im Titelkampf. Bei einer Sky-Veranstaltung Ende Juli 2025 bezeichnete der 51-Jährige den BVB als Bayerns “ärgsten Konkurrenten” – eine bemerkenswerte Einschätzung angesichts der durchwachsenen Vorsaison.

Die Dortmunder beendeten die abgelaufene Spielzeit nur auf Platz vier und qualifizierten sich erst am letzten Spieltag für die Champions League. Unter dem im Februar 2025 verpflichteten Trainer Niko Kovac stabilisierte sich die Mannschaft zwar in der Rückrunde, doch für mehr als 28 Punkte aus 14 Spielen reichte es nicht.

Kovac-Faktor als entscheidender Baustein

Hamann sieht in der Arbeit des kroatischen Trainers einen zentralen Grund für seinen Optimismus. “Was der Trainer mit dem Team gemacht hat, ist beeindruckend. Sie sind gefestigter und zielstrebiger geworden”, analysiert der ehemalige Nationalspieler. Kovac, der einen Vertrag bis Juni 2026 unterschrieb, führte den BVB nach schwachem Saisonstart zurück in die Königsklasse.

Tatsächlich zeigen die Zahlen eine deutliche Verbesserung unter dem 53-Jährigen: Die Anzahl der Torschüsse stieg von 12,9 auf 16,1 pro Spiel, die erzielten Tore von 1,8 auf 2,5. “Er lässt nicht viel durchgehen, was auch gut so ist”, bestätigte Torhüter Gregor Kobel die veränderte Trainingsintensität.

Bellingham-Coup als Transferhighlight

Während viele Experten die zurückhaltende Transferstrategie kritisch sehen, lobt Hamann den gezielten Ansatz. Mit Jobe Bellingham sicherte sich der BVB für rund 30,5 Millionen Euro vom AFC Sunderland ein hochveranlagtes Mittelfeld-Talent. Der 19-jährige Bruder von Ex-BVB-Star Jude Bellingham unterschrieb einen langfristigen Vertrag und soll bereits bei der Klub-WM im Sommer 2025 zum Einsatz kommen.

“Zwei, drei gezielte Zugänge reichen. Es geht nicht darum, jedes Jahr den halben Kader auszutauschen”, verteidigt Hamann die Transferpolitik. Neben Bellingham wurde auch Daniel Svensson fest verpflichtet, während Carney Chukwuemeka nach seiner Leihe zum FC Chelsea zurückkehrte – trotz einer Kaufoption von 35 Millionen Euro.

Klare Kritik an etablierten Kräften

Deutliche Worte findet Hamann für einige etablierte BVB-Spieler. Während er Innenverteidiger Waldemar Anton als “positive Überraschung” hervorhebt, sieht er bei Niklas Süle, Julian Brandt und Emre Can keine Zukunft mehr in Dortmund. “Diese Spieler haben das Vertrauen nicht mit Leistung zurückgezahlt. Wenn sie den Verein verlassen, ist das für alle Seiten besser”, urteilt der TV-Experte schonungslos.

Besonders pikant: Alle drei Genannten besitzen nur noch Verträge bis Sommer 2026, was ihre Situation zusätzlich verkompliziert. Sportdirektor Sebastian Kehl hatte nach dem Viertelfinal-Aus bei der Klub-WM gegen Real Madrid versprochen, das Team “besser aufzustellen als vergangene Saison”.

Widersprüchliche Signale aus der Führungsetage

Während Kehl weitere Verstärkungen andeutete, mahnt Geschäftsführer Lars Ricken zur Geduld. “Diese Mannschaft braucht Zeit, um sich zu entwickeln – keine hektischen Veränderungen”, betonte er im kicker-Interview. Der 48-Jährige warnte vor Aktionismus und setzte auf Kontinuität.

Diese unterschiedlichen Botschaften sorgen bei den Fans für Verunsicherung. Die Forderung nach einem Umbruch hallt bereits seit dem Winter durch die Fanlager, doch konkrete Transfers blieben bislang aus.

Realistische Titelchancen?

Hamanns Optimismus basiert auch auf den Schwächen der Konkurrenz. “Leipzig und Leverkusen zeigen selbst Schwächen”, analysiert er die Ausgangslage. Gleichzeitig relativiert er die Bayern-Chancen in der Champions League: “Ich glaube, dass dieses Jahr das erste Jahr ist, wo sie keine Chance haben, die Champions League zu holen.”

Für den BVB sieht Hamann daher eine historische Gelegenheit als Bayern-Herausforderer Nummer eins. Allerdings müsste das Team dafür konstant Leistung bringen – was in der Vergangenheit zu selten gelang. Mit einem unausgewogenen Kader und ohne klare Linie in der Transferpolitik erscheint die Titelprognose zumindest gewagt.

Statistik und Ausblick

Die Bundesliga-Saison 2025/26 beginnt für den BVB mit einem Kracher: Am 1. August empfängt Aufstiegsfavorit FC Schalke 04 die Dortmunder zum Eröffnungsspiel der 2. Liga. Ein prestigeträchtiges Duell, auch wenn es nur in Liga zwei stattfindet.

Ob Hamanns mutige Prognose Realität wird, muss sich erst noch zeigen. Fakt ist: Der BVB steht vor einer richtungsweisenden Saison, in der sich zeigen wird, ob die Mannschaft unter Kovac tatsächlich den nächsten Schritt machen kann.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.