Die neue Bundesliga-Saison 2025/26 steht in den Startlöchern, und wie jedes Jahr richtet sich der Blick nicht nur auf potenzielle Meisterschaftskandidaten, sondern auch auf die Trainerbänke. Wer wird als Erster seinen Platz räumen müssen? Eine Analyse der gefährdetsten Positionen.
Historische Einordnung: Trainerwechsel als Bundesliga-DNA
Trainerwechsel gehören zur Bundesliga wie der Anpfiff und das Schlusspfiff-Signal. Die Statistik zeigt: In der vergangenen Saison 2024/25 gab es acht Trainerwechsel – eine vergleichsweise moderate Zahl. Den Anfang machte Peter Zeidler beim VfL Bochum bereits am 20. Oktober nach nur einem Punkt aus sieben Spielen. Es folgten Pellegrino Matarazzo (TSG Hoffenheim), Bo Svensson (Union Berlin) und Nuri Şahin (Borussia Dortmund).
Zum Vergleich: Die Saison 2020/21 hält mit 14 Trainerwechseln den Rekord der jüngeren Vergangenheit. Nur 1983/84 wurden mit 15 Entlassungen noch mehr Übungsleiter während der laufenden Spielzeit freigestellt.
Die Ausgangslage: Zehn neue Gesichter auf der Bank
Die Saison 2025/26 beginnt mit einer bemerkenswerten Fluktuation: Nur acht der 18 Cheftrainer arbeiteten bereits in der Vorsaison mit ihren Teams. Diese hohe Wechselrate erhöht automatisch die Wahrscheinlichkeit weiterer Veränderungen im Saisonverlauf.
Die Neuzugänge im Überblick:
- Erik ten Hag (Bayer Leverkusen) – folgt auf Xabi Alonso
- Niko Kovac (Borussia Dortmund) – seit Februar 2025 im Amt
- Sandro Wagner (FC Augsburg) – wechselte vom DFB
- Horst Steffen (Werder Bremen) – Nachfolger von Ole Werner
- Paul Simonis (VfL Wolfsburg) – neuer Mann bei den Wölfen
- Lukas Kwasniok (1. FC Köln) – führte Köln zum Aufstieg
- Ole Werner (RB Leipzig) – kam aus Bremen
- Merlin Polzin (Hamburger SV) – schaffte den Aufstieg
- Zwei weitere Namen folgen nach Saisonstart
Die Hauptkandidaten: Wer steht besonders unter Druck?
Christian Ilzer (TSG Hoffenheim) – Der Topkandidat
Der Österreicher führt die Risikoliste an. Trotz seiner Erfolge bei Sturm Graz (Double 2024) konnte er in Hoffenheim bisher nicht überzeugen. Die TSG beendete die vergangene Saison nur auf Platz 15, und auch wenn Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker ihm im Mai das Vertrauen aussprach, bleibt die Situation angespannt. Die ersten Spieltage werden zeigen, ob Ilzer die nötige Zeit für seinen Umbau bekommt.
Merlin Polzin (Hamburger SV) – Bundesliga-Neuling unter Beobachtung
Der 34-jährige Aufstiegstrainer genießt zwar einen gewissen Vertrauensvorschuss, doch die fehlende Bundesliga-Erfahrung könnte ihm bei ersten Rückschlägen zum Verhängnis werden. Polzin übernahm im November 2024 vom entlassenen Steffen Baumgart und führte den HSV sensationell zurück in die Bundesliga. Mit einem Punkteschnitt von 2,0 und einer beeindruckenden Serie (kein Spiel unter seiner Leitung verloren) hat er sich zunächst eine solide Basis erarbeitet. Dennoch: Hamburg ist ein Verein, bei dem schnell Unruhe entstehen kann.
Steffen Baumgart (Union Berlin) – Zwischen Kultstatus und Erfolgsdruck
Der emotionale Coach übernahm die Eisernen nach der Trennung von Bo Svensson im Dezember 2024. Mit Platz 13 in der Vorsaison blieb Union deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. Ein erneuter schwacher Start könnte Baumgarts Position schnell gefährden, auch wenn er bei den Fans durchaus Kredit genießt.
Gerardo Seoane (Borussia Mönchengladbach) – Dauerkandidat mit Fragezeichen
Der Schweizer überstand bereits die vergangene Saison, in der er auf Platz eins der Gefährdeten-Liste stand. Mit Rang 10 und 45 Punkten war die Entwicklung zwar erkennbar, aber kein Quantensprung. Die interne Unruhe, symbolisiert durch das “Neuhaus-Video” im Sommer, deutet auf mögliche Spannungen hin. Seoane braucht einen guten Start, um nicht erneut in den Fokus zu geraten.
Die Newcomer: Zwischen Schonzeit und sofortigem Erfolgsdruck
Erik ten Hag (Bayer Leverkusen) – In Alonsos Fußstapfen
Der Niederländer tritt ein schweres Erbe an. Nach Xabi Alonsos sensationellem Double muss ten Hag bei Bayer 04 beweisen, dass er mit einem möglicherweise stark veränderten Kader (Jonathan Tah zu Bayern, Florian Wirtz im Fokus europäischer Topklubs) konkurrenzfähig bleibt. Seine Erfahrung bei Ajax (drei Meisterschaften, zwei Pokalsiege) und Manchester United spricht für ihn, doch die Erwartungen in Leverkusen sind enorm.
Niko Kovac (Borussia Dortmund) – Mission Wiederaufbau
Seit Februar 2025 im Amt, hat Kovac die schwierige Aufgabe übernommen, den BVB wieder in die Champions-League-Ränge zu führen. Mit einem Vertrag bis 2026 hat er zwar etwas Zeit bekommen, doch in Dortmund zählen nur Erfolge. Seine gemischte Bilanz bei Wolfsburg (8. Platz, dann Entlassung) macht ihn zu einem interessanten Fall.
Paul Simonis (VfL Wolfsburg) – Im Haifischbecken
Wolfsburg führt die unrühmliche Statistik der ersten Trainerwechsel mit drei Fällen an (Magath 2012, Jonker 2017, van Bommel 2022). Simonis muss sich in diesem schwierigen Umfeld beweisen. Die Vereinsführung ist für ihre geringe Geduld bekannt – ein schwacher Start könnte fatale Folgen haben.
Lukas Kwasniok (1. FC Köln) – Aufstiegsheld unter Erwartungsdruck
Der Aufstiegstrainer des 1. FC Köln steht vor der Herausforderung, die traditionell hohen Ansprüche der Domstädter zu erfüllen. Als Bundesliga-Rückkehrer wird von Köln mehr erwartet als nur der Klassenerhalt. Kwasnioks Vertrag läuft bis 2028, was zunächst Vertrauen signalisiert.
Die “sicheren” Positionen: Wer kann ruhig schlafen?
Vincent Kompany (Bayern München) – Meisterbonus
Nach dem Gewinn der Meisterschaft in seiner ersten Saison genießt der Belgier hohes Ansehen. Allerdings wartet das “verflixte zweite Jahr” – seit Carlo Ancelotti schaffte es kein Bayern-Trainer in seine dritte Saison.
Sebastian Hoeneß (VfB Stuttgart) – Kontinuität zahlt sich aus
Nach einer erfolgreichen Vorsaison mit Champions-League-Qualifikation ist Hoeneß’ Position gefestigt. Stuttgart setzt auf Kontinuität.
Frank Schmidt (1. FC Heidenheim) – Die Institution
Seit 2007 im Amt, ist Schmidt quasi unantastbar. Der Langzeittrainer genießt besonderen Schutz und hat das volle Vertrauen der Vereinsführung.
Julian Schuster (SC Freiburg) – Im stabilen Umfeld
Der Nachfolger von Christian Streich profitiert vom ruhigen Vereinsumfeld in Freiburg. Hier wird traditionell langfristig gedacht.
Wettquoten und Prognosen: Der Markt wartet ab
Aktuell haben die großen Wettanbieter noch keine offiziellen Quoten für den ersten Trainerwechsel der Saison 2025/26 veröffentlicht. Diese speziellen Märkte werden traditionell erst kurz vor oder nach dem Saisonstart aktiviert.
Fazit: Die ersten Spieltage werden entscheidend
Die Bundesliga-Saison 2025/26 beginnt am 22. August mit dem Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger FC Bayern München und RB Leipzig. Bereits die ersten fünf Spieltage werden zeigen, welche Trainer ihre Teams im Griff haben und wer möglicherweise in Schwierigkeiten gerät.
Die Erfahrung zeigt: Extreme Frühentlassungen nach nur zwei Spieltagen bleiben die absolute Ausnahme (zuletzt David Wagner 2020/21 bei Schalke). Die meisten Vereine warten zumindest die ersten sechs bis acht Partien ab, bevor sie die Reißleine ziehen.
Christian Ilzer in Hoffenheim, die Bundesliga-Neulinge Polzin und Kwasniok sowie die unter Erfolgsdruck stehenden Baumgart und Seoane dürften besonders genau beobachtet werden. Aber auch vermeintlich sichere Kandidaten wie ten Hag oder Kovac müssen liefern – in der Bundesliga ist niemand vor dem Trainerstuhl-Beben sicher.
Die neue Saison verspricht nicht nur sportlich spannend zu werden. Das Trainer-Karussell wartet bereits darauf, sich zu drehen. Die Frage ist nur: Wer muss als Erster aussteigen?


