Das dramatische 1:4 gegen Schweden hallt noch nach, doch für Selbstmitleid ist keine Zeit. Am Samstag, 19. Juli 2025 um 21:00 Uhr wartet im St. Jakob-Park Basel mit Frankreich der Gruppensieger der “Todesgruppe D” auf die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Während die Französinnen als klare Favoriten ins Viertelfinale gehen, stellt sich die Frage: Ist Deutschland wirklich chancenlos gegen Les Bleues?
Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Frankreich gewann alle drei Gruppenspiele und erzielte dabei elf Tore. Deutschland hingegen kassierte gegen Schweden die höchste Niederlage der EM-Geschichte und wirkt mental angeschlagen. Doch im K.o.-Modus gelten andere Gesetze – und gerade dort hat die deutsche Nationalmannschaft immer wieder Stärke bewiesen.
Die Ausgangslage: Frankreich in Bestform, Deutschland im Umbruch
Das 5:2 gegen die Niederlande zum Gruppenabschluss war ein Offenbarungseid französischer Offensivkraft. Nach einer schwächeren ersten Halbzeit drehten Les Bleues mächtig auf und zeigten, warum sie zu den Topfavoriten auf den Titel gehören. Delphine Cascarino und Sandy Baltimore auf den Flügeln, Marie-Antoinette Katoto im Zentrum – diese Offensive kann jede Defensive vor Probleme stellen.
Bundestrainer Christian Wück verfolgte die Partie live im Stadion und dürfte gesehen haben, worauf es ankommt. Die Französinnen sind in der Offensive spektakulär, zeigen aber auch Schwächen in der Defensive. Gerade in der ersten Hälfte gegen die Niederlande wirkten sie verwundbar – ein Hoffnungsschimmer für das deutsche Team.
Deutschland hingegen muss nach dem 1:4-Debakel gegen Schweden das Vertrauen zurückgewinnen. Die Defensive wirkte völlig aus dem Konzept, individueller Fehler reihten sich aneinander. Nun fehlen mit Giulia Gwinn (verletzt) und Carlotta Wamser (gesperrt) zwei wichtige Defensivspielerinnen. Christian Wück muss seine Hintermannschaft neu formieren.
Wücks taktisches Dilemma: Mut zur Offensive oder defensive Stabilität?
“Wir wollen nicht nur reagieren und zerstören”, betonte Wück nach dem Schweden-Spiel. Trotz der offensichtlichen defensiven Probleme hält der Bundestrainer an seiner offensiven Grundausrichtung fest. Seine Argumentation: Für einen reinen Defensivplan habe er nicht die passenden Spielertypen.
Doch gegen Frankreichs Offensivpower wird Deutschland kaum umhinkommen, defensiver zu agieren. Die Frage ist: Kann die Mannschaft das mentale Trauma des Schweden-Spiels überwinden und zu einer kompakten Defensive finden? Kathrin Hendrich wird als erfahrene Abwehrspielerin eine Schlüsselrolle spielen. Ob Wück auf eine Dreier- oder Viererkette setzt, bleibt abzuwarten.
Das Mittelfeld muss die Balance zwischen Stabilität und Kreativität finden. Sjoeke Nüsken und Elisa Senß werden entscheidend sein, um die französischen Angriffe zu unterbinden und gleichzeitig die eigene Offensive zu nähren.
Bergers Bewährungsprobe: Torhüterin unter Druck
Ann-Katrin Berger steht besonders im Fokus. Nach der Kritik vom Bundestrainer nach dem Dänemark-Spiel und der unsicheren Leistung gegen Schweden muss sie dringend Stabilität ausstrahlen. “Es gibt intern keine Diskussion um die Nummer eins”, stellte Sportdirektorin Nia Künzer klar, doch Berger weiß: Gegen Frankreichs Offensivklasse kann sie sich keine Fehler erlauben.
Die Torhüterin von Gotham FC muss zu ihrer Bestform finden. Ihre Stärke liegt im Spielaufbau, doch gerade das wurde gegen Schweden zum Problem. Gegen Frankreich wird sie sowohl zwischen den Pfosten als auch mit dem Ball am Fuß gefordert sein.
Frankreichs Schwachstellen: Ansatzpunkte für Deutschland
Bei aller Klasse der Französinnen – sie sind nicht unverwundbar. Das 5:2 gegen die Niederlande täuscht über die Probleme in der ersten Halbzeit hinweg. Deutschland kann anknüpfen an die Qualitäten, die in der Gruppenphase immer wieder aufblitzten.
“Deutschlands Viertelfinalgegner Frankreich überzeugte bei der Frauen-EM mit drei Siegen in der schweren Vorrundegruppe D. Doch bei genauerem Hinsehen sind auch Schwachstellen gut zu erkennen”, analysiert die Sportschau. Genau hier dürfte der Ansatz des deutschen Teams liegen: Das stark verjüngte französische Team bekommt Probleme, wenn es selbst unter Druck gesetzt wird.
Die Schnelligkeit von Jule Brand und Klara Bühl könnte zu einem wichtigen Faktor werden. Beide haben bereits bewiesen, dass sie auch gegen starke Gegner für Gefahr sorgen können.
Mentale Stärke: Der Schlüssel zum Weiterkommen
“Ruhe bewahren, zusammenstehen – das ist jetzt das Wichtigste”, mahnte Sportdirektorin Nia Künzer. Nach dem freien Montag, den die Spielerinnen zum Abschalten nutzten, kehrte der Ernst zurück. Das Team braucht eine perfekte Vorstellung, um Frankreich zu bezwingen.
Die Statistik macht Mut: Deutschland hat in der EM-Geschichte nur vier Spiele verloren – bei insgesamt 48 Partien. Diese Erfahrung im K.o.-Modus ist unbezahlbar. Auch das 2:1 gegen Dänemark zeigte, dass die Mannschaft nach Rückständen zurückschlagen kann.
Alle Mannschaftsteile müssen “am Limit” agieren, forderte Künzer. Das bedeutet: Jede Spielerin muss über sich hinauswachsen, um gegen Les Bleues bestehen zu können.
Historische Perspektive: Deutschland in K.o.-Spielen
Der achtmalige Europameister geht nicht als Favorit in die erste K.o.-Runde – das ist ungewohnt. Doch gerade als Außenseiter hat Deutschland oft seine beste Leistung gezeigt. Die Mentalität, in entscheidenden Momenten da zu sein, ist ein Pfund, mit dem die DFB-Frauen wuchern können.
Frankreich hingegen muss mit dem Druck des Favoriten umgehen. Die Erwartungshaltung ist hoch, nach der dominanten Gruppenphase wird ein souveräner Sieg erwartet. Genau diese Situation könnte Deutschland nutzen.
TV-Übertragung und Wett-Einschätzung
Das brisante Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich wird am Samstag, 19. Juli 2025 um 21:00 Uhr im St. Jakob-Park Basel ausgetragen. Das ZDF überträgt die Partie live mit Vorberichterstattung ab 20:15 Uhr. Sven Voss moderiert, Kathrin Lehmann analysiert als Expertin und Claudia Neumann kommentiert das Geschehen.
Alle Details zur TV-Übertragung, den Sendern und der Vorberichterstattung finden Sie in unserem umfassenden Übertragungsguide zum Deutschland vs Frankreich Viertelfinale.
Für Sportwetten-Enthusiasten bietet das Viertelfinale trotz der klaren Favoritenrolle Frankreichs interessante Wettmöglichkeiten. Die detaillierte Analyse der Quoten, taktischen Aspekte und konkreten Wett-Tipps finden Sie in unserem Expertenguide mit Prognose zu Deutschland vs Frankreich.
Fazit: Chancen sind da - aber nur bei perfekter Leistung
Deutschland ist gegen Frankreich Außenseiter – das ist Fakt. Die Leistung gegen Schweden war ernüchternd, die personellen Probleme sind real. Doch im Fußball ist nichts unmöglich, besonders in K.o.-Spielen.
Christian Wück muss die richtige Balance finden zwischen dem Mut zur Offensive und der nötigen defensiven Stabilität. Die Spielerinnen müssen das Schweden-Trauma überwinden und zu einer verschworenen Einheit werden. Ann-Katrin Berger braucht einen großen Auftritt zwischen den Pfosten.
Frankreich ist stark, aber nicht unschlagbar. Die erste Halbzeit gegen die Niederlande zeigte Schwächen auf. Wenn Deutschland an seine Bestleistung herankommt – wie beim 2:1 gegen Dänemark oder dem 4:0 gegen die Niederlande im Testspiel – dann ist alles möglich.
Es braucht ein kleines Wunder, aber genau dafür ist der Fußball da. Und vielleicht ist diese EM für Deutschland noch nicht vorbei.


