Schalke-Schock: Punktabzug nur knapp verhindert – die nächste Gefahr lauert bereits

Natalia Schubert
| veröffentlicht am: 11.07.25 (aktualisiert: 11.07.25)
geprüft von Lukas Stratmann | 5 Min. Lesezeit

Trotz erfolgreich abgewendetem Punktabzug für die Saison 2025/26 bleibt der FC Schalke 04 in einer prekären finanziellen Lage. Das negative Eigenkapital von 98,1 Millionen Euro und hohe Verbindlichkeiten von fast 150 Millionen Euro zwingen den Traditionsverein weiterhin zu einem harten Sparkurs – und die Gefahr eines Punktabzugs besteht auch in Zukunft fort.

Der FC Schalke 04 hat es gerade noch geschafft: Zum 31.12.2024 betrug das negative Eigenkapital 98,1 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lag dieses noch bei 103,3 Millionen Euro. Die Vorgabe der DFL die Summe um fünf Prozent zu verhindern, konnte so ganz knapp erreicht werden, wodurch eine Strafe verhindert worden konnte. Von einer “Punktlandung” spricht Finanzchefin Christina Rühl-Hamers – doch der Weg aus der Schuldenfalle ist noch weit.


Die aktuellen Zahlen im Überblick

Die nüchternen Zahlen sind im Konzernzwischenbericht 2024/2025 nachzulesen: Umsatz 95 Mio. Euro, Gewinn 6,3 Mio. Euro, negatives Eigenkapital von 103,9 auf 98 Mio. Euro gesunken. Diese Verbesserung war entscheidend, um die DFL-Eigenkapitalauflage zu erfüllen und einen drohenden Punktabzug für die kommende Saison zu vermeiden.

Kennzahl 2023 2024 Entwicklung
Negatives Eigenkapital 103,3 Mio. € 98,1 Mio. € -5,2 Mio. €
Gesamtverbindlichkeiten 162,7 Mio. € 149,8 Mio. € -12,9 Mio. €
Zins- und Tilgungsaufwand 16 Mio. € Jährliche Belastung

Warum droht weiterhin ein Punktabzug?

Diese besagt, dass negatives Eigenkapital jeweils zum 31.12. eines Jahres um mindestens fünf Prozent verringert werden muss. Zweck der für alle Clubs mit negativem Eigenkapital geltenden Auflage ist, dass sie zu ihrem „Glück” – einer vernünftigen Wirtschaftsführung ohne waghalsige Transfers – gezwungen werden sollen.

Das Problem: Diese Auflage gilt nicht nur einmalig. Schalke 04 wird auch in Zukunft von einem Punktabzug bedroht sein. Nämlich so lange, bis das negative Eigenkapital endlich ausgeglichen ist. Das Schritt-für-Schritt-Prinzip könnte theoretisch auch noch mehr als ein Jahrzehnt andauern.

Die DFL verlangt vom finanziell angeschlagenen Klub, das negative Eigenkapital – das zum Jahresende 2024 bei -98,1 Millionen Euro lag – um fünf Prozent zu verbessern. Gelingt das nicht, droht zur Saison 2026/27 ein Abzug von drei Punkten.


Taylor Swift und Rammstein als Retter in der Not

Man muss daher leider feststellen, dass die platten Schlagzeilen wie „kein Punktabzug dank Taylor Swift” einen wahren Kern enthalten, denn ohne die 14 (!) Großveranstaltungen inklusive Cateringumsatz neben den Heimspielen – außer Taylor Swift waren u. a. Rammstein und Schachtar Donezk mehrfach am Start – wäre die Eigenkapitalauflage verfehlt worden.

Die Konzerte in der Veltins-Arena waren entscheidend für das Überleben des Vereins. Auftritte von Tylor Swift, AC/DC oder Rammstein spülten mehrere Zusatzmillionen in die Kassen der Königsblauen. Dahingehend sind auch die Aussichten für das Kalenderjahr 2025 vielversprechend. Erneut stehen mehrere Großveranstaltungen in der Arena an (unter anderen kommen Robbie Williams und Bruce Springsteen nach Gelsenkirchen).

Ohne diese Sondereinnahmen hätte Schalke drastischere Sparmaßnahmen ergreifen müssen – was den Kader weiter geschwächt und die Aufstiegschancen minimiert hätte.


Der teure Schuldendienst frisst Millionen

Die größte Belastung für Schalke sind die laufenden Zinsen und Tilgungen. „Im Kalenderjahr 2024 mussten wir rund 16 Millionen Euro für Zins und Tilgung aufwenden. Gleichzeitig standen wir im selben Zeitraum in der Pflicht, einen Überschuss zu erzielen, um das Konzerneigenkapital um über 5 Millionen Euro zu verbessern.”

Das bedeutet: Bevor auch nur ein Euro in den Kader investiert werden kann, muss Schalke bereits über 20 Millionen Euro erwirtschaften – allein um die Eigenkapitalauflage zu erfüllen und die Schulden zu bedienen. Insgesamt sind mit der Eigenkapitalauflage und der ordnungsgemäßen Bedienung der Verbindlichkeiten bereits gut 21 Mio. Euro gebunden, ohne dass auch nur ein einziger Euro in den Kader investiert werden kann!

Besonders das Corona-Darlehen bereitet Probleme: Dreieinhalb Jahre dauert beispielsweise die Tilgung des Corona-Darlehens noch, von den ursprünglich 35 Millionen Euro stehen 20 aus.


Fördergenossenschaft als Hoffnungsträger mit ernüchterndem Start

Als innovativen Lösungsansatz hat Schalke die “Auf Schalke eG” ins Leben gerufen. 190.400 Anteile à 250 EUR entsprechen rund 48 Mio. EUR und etwa der aktuellen Anzahl der Vereinsmitglieder, so der FC Schalke 04. Werde diese Summe erreicht, könne die Fördergenossenschaft dem FC Gelsenkirchen-Schalke 04 eV einen nach angemessener Bewertung passenden Anteil an der VELTINS-Arena abkaufen.

Doch der Start verlief enttäuschend: Die erste Zahl, die der Club veröffentlicht, stuft aber zumindest Sky als enttäuschend ein. Wie der Verein am heutigen Samstag bekanntgegeben hat, wurden an den ersten drei Tagen 12.908 Anteile ausgegeben, wodurch bislang rund 3,5 Millionen Euro generiert werden konnten.

Bis Mai 2025 wurden nur etwa 7 Millionen Euro gesammelt – weit entfernt von den erhofften 50 Millionen Euro. Einnahmen von bis zu 50 Millionen Euro erhoffte sich Schalkes Vorstandschef Matthias Tillmann (41) noch im Januar 2025. Doch die Realität ist eher ernüchternd.


Sportvorstand Baumann: Klare Absage an bewussten Regelbruch

Trotz der angespannten Lage denkt der Schalke-Vorstand nicht daran, die DFL-Auflagen bewusst zu brechen. „Ich habe selbst erlebt, wie belastend ein Punktabzug sein kann”, sagte der Ex-Nationalspieler. Das war zu seiner aktiven Profizeit beim 1. FC Nürnberg. „Damals mussten wir bei der Zwei-Punkte-Regelung erst sechs Zähler aufholen, nur um auf null zu kommen. Das war von Anfang an eine enorme Hypothek.”

Sportvorstand Frank Baumann setzt stattdessen auf Transfererlöse: Wie Sportvorstand Frank Baumann bestätigte, liegt das Ziel bei rund neun Millionen Euro – eine Vorgabe, die aus Lizenzauflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) resultiert.


Der harte Sparkurs geht weiter

Der Verein ist verpflichtet, bis 2025 einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro zu erwirtschaften, um die Lizenzauflagen zu erfüllen und einen drohenden Punktabzug zu vermeiden. Dies zwingt Schalke zu weiteren Sparmaßnahmen.

Der Gesamtpersonalaufwand ist um weitere 6 Mio. Euro auf 30,9 Mio. Euro gesunken und damit auf dem niedrigsten Stand seit über 20 Jahren. Trotzdem plant der Verein für die kommende Saison wieder ein Budget von etwa 20 Millionen Euro für den Kader.


Auswirkungen auf die Aufstiegsambitionen

Die finanzielle Situation erschwert Schalkes Aufstiegsambitionen erheblich. Rund 20 Millionen Euro haben allerdings 2023/24 nicht zum Aufstieg geführt und sie werden es auch in der laufenden Runde nicht. Für 2025/26 rückt die Finanzabteilung erneut einen solchen Batzen heraus.

Das Königsziel muss deshalb der Aufstieg in die erste Liga bleiben. „Der wichtigste sowohl Chancen- als auch Risikofaktor für den FC Schalke 04 ist das sportliche Abschneiden der Lizenzmannschaft.” heißt es im Geschäftsbericht und dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein Aufstieg wäre der Schlüssel zur finanziellen Entlastung: In der Bundesliga winken deutlich höhere TV-Gelder, bessere Vermarktungsmöglichkeiten und internationale Aufmerksamkeit.


Fazit: Schalke im Teufelskreis gefangen


Schalke 04 befindet sich in einem Teufelskreis: Das Dilemma, zwischen finanziellen Zwängen und sportlicher Konkurrenzfähigkeit zu balancieren, bleibt. Die hohen Schulden zwingen zu Sparmaßnahmen, die den sportlichen Erfolg gefährden. Ohne Aufstieg bleiben die Einnahmen begrenzt, was wiederum den Schuldenabbau erschwert.

Es wird auf Jahre hinaus sehr eng bleiben, wenn nicht sportlich deutlich besser geliefert wird und Schalke wieder an die deutlich üppigeren Fleischtöpfe der ersten Bundesliga kommt. Hoffnung macht immerhin: 2026 enden die Abschreibungen für die Veltins-Arena, was den bilanziellen Gewinn um etwa 7,5 Millionen Euro pro Jahr steigert.


Ausblick: Punktabzug bleibt Damoklesschwert

Auch wenn Schalke den Punktabzug für 2025/26 abwenden konnte, bleibt die Gefahr bestehen. Zudem sollten alle Schalker Schachtar Donezk kräftig die Daumen für eine erneute CL-Qualifikation drücken. Denn auch 2025 sind wieder Großkonzerte geplant – doch diese Sondereinnahmen sind nicht planbar und können nicht die strukturellen Probleme lösen.

Der Traditionsverein muss in den kommenden Jahren beweisen, dass er den Spagat zwischen finanzieller Disziplin und sportlichem Erfolg meistern kann. Gelingt dies nicht, droht weiterhin das Damoklesschwert des Punktabzugs – und damit eine weitere Verschärfung der ohnehin prekären Lage. Ein Aufstieg in die Bundesliga wäre der einzig nachhaltige Weg aus dieser Misere.

Natalia Schubert - Fußballanalystin & Sportjournalistin |
Natalia Schubert Natalia Schubert ist Fußballanalystin und seit über zwölf Jahren im professionellen Sportjournalismus tätig. Sie analysiert nationale und internationale Wettbewerbe mit Schwerpunkt auf taktischen Zusammenhängen, statistischen Auswertungen und der Einordnung sportlicher Leistungen.

In dieser Zeit schrieb sie für verschiedene renommierte Sportmagazine und Online-Redaktionen, für die sie Spielanalysen, Vorberichte und Hintergrundartikel verfasste. Ihre Arbeit ist geprägt von einer strukturierten Analyse und einer verständlichen Einordnung sportlicher und statistischer Zusammenhänge.